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"Am Anrufen führt kein Weg vorbei"

Die fünf besten Booking-Tipps von Martell Beigang (Dick Brave & the Backbeats)

Tipps für Musiker und Bands von Martell Beigang
veröffentlicht am 26.04.2017

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Die fünf besten Booking-Tipps von Martell Beigang (Dick Brave & the Backbeats)

Martell Beigang gibt euch hier seine besten Tipps zum Booking. © Sebastian Meyer

Martell Beigang trommelte bei der Kultband m. walking on the water und bekam Doppelplatin mit Dick Brave & the Backbeats. Als Sänger und Bassist u.a. von SCHANK hat er selbst viele hundert Konzerte gebucht. Hier verrät er euch seine fünf besten Booking-Tipps.

Jede Band träumt davon, einen eigenen Booker zu haben. Aber bis es sich für eine Agentur lohnt, für euch zu arbeiten, müßt ihr schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Und um das zu schaffen, müßt ihr soviele Konzerte spielen, wie es geht. Da hilft nur eins:

Ärmel hochkrempeln und selber Gigs buchen!

1. Spielen, aber wo? 

Zunächst müßt ihr rausfinden, wo ihr spielen könnt. Dazu gibt es hilfreiche Adresslisten im Internet – zum Beispiel hier im Locationguide. Es geht dabei allerdings auch nichts über zusätzlich selbst recherchierte Informationen:

  • Schaut euch um, wenn ihr unterwegs seid. Guckt nach Plakaten und Programm- oder Stadtzeitschriften, die irgendwo herumliegen und nehmt sie mit.
  • Macht euch Notizen, wenn ihr zu Gigs eingeladen werdet. Denn so findet ihr zusätzliche Informationen darüber, welche Bands wo auftreten und welches Image ein Laden hat. Oder ihr stolpert über Veranstaltungen, die nur einmal im Jahr stattfinden oder Locations, die den offiziellen Veranstalter-Radar unterlaufen, weil sie nur zu bestimmten Anlässen Events haben.

Seid kreativ bei euren Überlegungen, wo eure Band überall spielen könnte. Manchmal kann man die Betreiber interessanter Orte dazu überreden, ein Konzert außerhalb der Reihe zu veranstalten (→ weitere Tipps zur Locationsuche).

2. Erste Kontaktaufnahme

Die erste Kontaktaufnahme mit der Venue eurer Wahl sollte per Mail stattfinden. Dabei ist es wichtig, dass ihr keine Massenmails verschickt, also nicht nur einen allgemeinen Text schreibt und diesen an unzählige Adressen gleichzeitig sendet. So eine Mail landet sofort im Spamfiler.

  • Versucht bei eurer Recherche den verantwortlichen Booker herauszufinden (auf Websites steht er oft im Impressum).
  • Richtet eure Mail persönlich an ihn und versendet sie einzeln. Veranstalter entwickeln Strategien, wie sie die Flut spielbereiter Bands eindämmen können. Eine anonyme Mail ist da schnell weggeklickt.
  • Sprecht den Booker der Venue, in der ihr spielen wollt, mit persönlichen Worten an. Macht deutlich, warum ihr dort spielen wollt.
  • Eine kurze und prägnante Bandinfo sollte schnell auf den Punkt bringen, in welchem Genre ihr unterwegs seid und was euch besonders macht.
  • Fügt eurer Mail ein ansprechendes Foto bei.
  • Vermeidet es, Mails mit datenintensiven Anhängen (also auf keinen Fall Audiodateien) zu verschicken. Sie landen oft direkt im Spamfilter.

Habt ihr das Interesse eures Ansprechpartners geweckt, dann sollte er mit einem Klick mehr über euch erfahren können.

Ich empfehle euch eine extra Landingpage einzurichten, die auf das Wesentliche reduziert ist, nämlich auf ein Video (am besten live), eine kurze Bio, aus der hervorgeht, wo ihr schon überall gespielt habt und eure besten Songs.

Inhaltlich könnt ihr euch u.a. an unseren Tipps für ein EPK orientieren. Ein ordentlich gepflegtes Backstage PRO-Profil mit Videos, Gig-History etc. macht ebenfalls einiges her und ist für eure hiesigen Booking-Aktivitäten sowieso essentiell.

3. Anrufen – das leidige Übel

Am Anrufen führt kein Weg vorbei! Daran scheitern die meisten Booking-Ambitionen. Aber allein durch Mails werdet ihr keine oder nur sehr wenige Gigs bekommen.

Die erste Mail dient lediglich dazu eine Gesprächsgrundlage zu schaffen. Nach ihr könnt ihr im ersten Gespräch fragen und wenn sie übersehen wurde (was häufig der Fall sein wird), sie dann angekündigt ein zweites Mal zuschicken.

Zunächst müßt ihr jedoch die Telefonnummer des Bookers eures begehrten Clubs herausbekommen. Das ist manchmal echte Detektivarbeit. Nummern, die im Netz stehen, sind nämlich selten die des relevanten Ansprechpartners.

  • Wählt die Nummer und erkundigt euch, wer für das Booking im Laden zuständig ist.
  • Wenn ihr dort anruft und es ein kleiner Laden ist, bedenkt, dass euer Gegenüber womöglich spät ins Bett gekommen ist (also nicht zu früh anrufen).
  • Erwartet von eurem ersten Anruf nicht, dass er sofort in einen gutbezahlten Gig mündet. Gebt eurem Gegenüber Zeit, um euch kennenzulernen.
  • Erkundigt euch, wann die Planung für das nächste Halbjahr konkret wird und vereinbart ein weiteres Gespräch.
  • Macht euch Notizen, am besten in einem digitalen Kalender mit Erinnerungsfunktion.

4. Argumente

Liefert eurem Gegenüber Argumente, warum gerade eure Band den Laden zum Platzen bringen wird!

Vielleicht ist ein Bandmitglied in dem betreffenden Ort aufgewachsen, oder ihr habt schon öfter dort gespielt, habt soundso viele Facebookfans aus der Gegend, einer von euch kennt jemand beim Lokalsender oder bei der Zeitung, euer Konzert ist Teil einer bundesweiten Tour und ihr habt gerade erfolgreich einen Tonträger oder ein viel beachtetes Video veröffentlicht…

Gebt eurem Gegenüber die Chance zu sehen, dass ihr aus der Masse der unzähligen Bands herausragt, die bei ihm spielen wollen! Dafür ist auch entscheidend, wie ihr wahrgenommen werdet!

5. Informationen

Wenn der Veranstalter euch in die engere Wahl gezogen hat und sich ein Konzert mit euch vorstellen kann, muss er problemlos an alle relevanten Informationen kommen, die er braucht. Zudem benötigt er bestimmtes Material zum Arbeiten:

  • Vollständige Adresse des Ansprechpartners eurer Band
  • Ein ausführliches Info als PDF
  • Pressefotos mit zwei unterschiedlichen Motiven
  • Eine detaillierte Bühnenanweisung
  • Cateringwünsche
  • Informationen über die Anzahl der anreisenden Personen
  • Audioteaser der aktuellen Platte.

Am besten richtet ihr eine Passwort geschützte Seite auf eurer Homepage ein. Seid jederzeit ansprechbar und versucht bei signalisiertem Interesse möglichst umgehend zu reagieren, denn oft werden freie Slots über Nacht und in letzter Minute besetzt!

Ich wünsche euch viel Erfolg und viele extatische Gigs.

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