Sanktionen stehen noch aus
Kartellurteil gegen Live Nation: Jury stuft Konzern als illegales Monopol ein
ticketing live nation ticketmaster
© Katrin Bolovtsova via pexels.com
Live Nation gilt als mächtigster Akteur im weltweiten Konzertgeschäft. Alleine im vergangenen Jahr veranstaltete das Unternehmen rund 55.000 Events und verkaufte weltweit 646 Millionen Tickets.
2024 hatte das US-Department of Justice mit 33 Bundesstaaten sowie Washington D.C. eine Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Die Kläger warfen Live Nation vor, seine dominante Stellung im Konzert- und Ticketgeschäft systematisch missbraucht zu haben. Kritisiert wurden unter anderem exklusive Verträge mit Veranstaltungsorten, erschwerter Zugang für konkurrierende Ticketanbieter und überhöhte Gebühren.
Im Verlauf des Verfahrens zog sich das Justizministerium jedoch nach einem Vergleich mit Live Nation zurück. Ein Großteil der beteiligten Bundesstaaten führte das Verfahren jedoch eigenständig weiter.
Urteil gefällt
Wie unter anderem die New York Times berichtet, kam die neunköpfige Jury nun nach einem siebenwöchigen Prozess und vier Tagen Beratung zu dem Schluss, dass Live Nation gegen geltenes Kartellrecht verstoßen habe und ein illegales Monopol betrieben habe. Über mögliche Sanktionen entscheidet Richter Arun Subramanian nun in einem separaten Verfahren.
Maulwürfe packen aus
Im Prozess spielten interne Unterlagen und Zeugenaussagen eine wichtige Rolle. Besonders brisant waren etwa geleakte Slack-Nachrichten von Mitarbeitern, in denen hohe Zusatzgebühren für Fans verspottet wurden.
Zudem wurde eine Telefonaufnahme präsentiert, in der Live Nation-CEO Michael Rapino einem Veranstaltungsort Nachteile in Aussicht stellte, nachdem dieser Ticketmaster verlassen hatte.
Live Nation weist Vorwürfe zurück
Live Nation hingegen bestreitet weiterhin alle Vorwürfe. Man bewege sich in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld und gewinne Aufträge durch bessere Leistungen, nicht durch ausgeübten Druck oder Marktmissbrauch.
In einer Stellungnahme erklärte Live Nation, die Entscheidung der Jury sei "nicht das letzte Wort" in dem Verfahren.
Folgen für die gesamte Branche
Live Nation drohen nun erhebliche finanzielle Belastungen durch Schadensersatzforderungen, deren genaue Höhe noch festgelegt wird. Darüber hinaus könnten strukturelle Maßnahmen angeordnet werden, darunter der Verkauf von Unternehmensteilen oder eine mögliche Trennung von Live Nation und Ticketmaster.
Die endgültige Entscheidung über das Strafmaß liegt beim zuständigen Gericht. Live Nation hat angekündigt, sich weiterhin juristisch zu wehren. Unabhängig vom Ausgang der nächsten Verfahrensschritte dürfte das Urteil die Wettbewerbsbedingungen im Konzert- und Ticketmarkt nachhaltig verändern. Nach Bekanntwerden der Entscheidung fiel die Aktie von Live Nation um rund sechs Prozent.
Ähnliche Themen
Ungebrochenes Wachstum
Live Nation meldet Rekord-Ticketverkäufe trotz Sorgen um den Konzertmarkt
veröffentlicht am 03.08.2026
Jedenfalls für Inhaber eines bestimmten Giro-Kontos
Live Nation und Postbank kooperieren und bieten Rabatt auf Clubkonzerte
veröffentlicht am 22.05.2026
Teurer Spaß
Live Nation: Geschäfte laufen gut, aber Prozesskosten sorgen für Quartalsverlust
veröffentlicht am 06.05.2026
Zunehmende Marktkonzentration auch bei Live-Venues
Auf dem Weg zu US-Verhältnissen? Wie Konzerne Europas Konzerthallen übernehmen
veröffentlicht am 22.04.2026 2
Verlagerung mit direkten Folgen für Künstler, Veranstalter und Plattformen
Veränderte Eventvermarktung durch KI: Ticketmaster setzt auf ChatGPT als neue Event-Plattform
veröffentlicht am 14.04.2026