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Konzerte mitschneiden: So gelingt euch ein professionelles Live-Video mit einfachen Mitteln

Tipps für Musiker und Bands von Christian Grube
veröffentlicht am 22.10.2019

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Konzerte mitschneiden: So gelingt euch ein professionelles Live-Video mit einfachen Mitteln

Konzertmitschnitte und Livevideos gut und günstig produzieren. © razihusin / 123RF

Einen Live-Mitschnitt eures Gigs günstig und dennoch professionell aussehen lassen geht nicht? Geht doch! Hier unser Praxistipp.

Ihr wollt eurem Publikum und Veranstaltern einmal zeigen, wie eure Liveperformance so aussieht, wollt jedoch nicht einfach so ein Handyvideo online stellen? Eventuell wollt ihr einen tollen Liveclip, um euer EPK zu ergänzen – schließlich muss man eure Show gesehen haben, um zu glauben, was da eigentlich passiert.

Dieser kleine Ratgeber kann euch helfen, eure Künste auf ein neues Level zu bringen. Wie ihr kostengünstig ein professionell aussehendes Livevideo produzieren könnt, werde ich euch an einem kleinen Beispiel zeigen.

Frank Turner wurde im November 2018 eingeladen, vor seinem Konzert im Leipziger Werk 2 eine kleine Plattenladenshow zu spielen. Um dieses einzigartige Flair einzufangen, entschieden wir uns, das Ganze mitzuschneiden. 

Was wird benötigt?

  • Eine Kamera (oder mehrere)
  • Tonaufnahmegerät oder Mischer mit Speicherfunktion (SD Karte, USB Anschluss)
  • Videoschnittprogramm

Optional: Stative, Schulterrig

Kameras

Ohne Kamera funktioniert nichts. Um eine gute Bildqualität zu liefern, ist eine Spiegelreflex oder Spiegellose Digitalkamera Pflicht, die in fullHD (1080p) aufnehmen kann. Ob Vollformat (großer Kamerasensor) oder Cropkamera (kleinerer Sensor) ist dabei irrelevant bzw. Geschmacksfrage. Wenn ihr einen Camcorder habt – noch besser.

Bei dem Frank Turner Gig haben wir mit fünf Kameras gearbeitet: Einen GoPro-Nachbau für eine Ultraweitwinkel-Perspektive, eine Canon EOS 60d für eine Halbtotale beim Künstler, eine Canon 5d Mk II für eine weitere Totale aus einem anderen Winkel, eine Sony Alpha R7 II bedient sowie einen Sony PXW X-70 Camcorder. Die Sonys wurden von Kameraleuten bedient, die drei anderen Kameras waren fest eingerichtet und wurden nur angeschaltet.

  • Wichtig ist hier, dass alle Kameras gleichzeitig laufen. Der Zeitpunkt des Starts der Aufnahme muss nicht zeitgleich erfolgen, sollte jedoch zeitnah gestartet werden.
  • Weiterhin sollte die Aufnahme nicht unterbrochen werden. Das macht es für den Schnitt deutlich einfacher.

Die beiden bedienten Kameras machen Close-Ups vom Künstler und Publikum und sorgen gleichzeitig für eine bessere Dynamik des Videos.

Wie viele Kameras müssen von Kameraleuten bedient werden? Das ist eine Geschmacksfrage, sowie eine Frage danach wieviel "Personal" zur Verfügung steht. Wenn man das Ganze allein produziert, kann man eben nur eine Kamera bedienen und andere müssen statisch sein.

Der Ton

Wie erhält das Video einen annehmbaren Ton? Mit dem internen Mikrofon der allermeisten Kameras erhält man alles andere als einen vernünftigen Sound. Hier muss also eine Alternative her.

  1. Eine Möglichkeit ist, einen Camcorder mit einer Mikrofoneinheit zu verwenden, die zwei XLR Anschlüsse hat und die Summe aus dem Mixer zu ziehen.
  2. Eine andere Variante: man besorgt sich einen Mixer mit SD Karten bzw. USB Slot und nimmt so das Signal als mp3 oder wav auf und hat dann ein deutlich besseres Tonsignal. Im besten Fall speichert der Mixer sogar alle Spuren einzeln auf, so dass es einem versierten Menschen möglich ist, einen für das Video abgestimmten Soundmix zu erschaffen.
  3. Die dritte Variante ist die Nutzung eines externen tragbaren Recorders und man nimmt sich ebenfalls aus dem Mixer die Summe.

In jedem Fall ist die zweite Variante die optimalste. Auch bei der Frank Turner-Show haben wir ähnlich gearbeitet und einen Zoom r16 benutzt.

Das Schnittprogramm

Das Konzert ist durch, alles abgebaut und die Aufnahmen sind gesichert. Was nun? Jetzt geht es an den Videoschnitt. Zugegeben hier ist mehr Einarbeitung nötig als beim Thema Kamera oder Ton, zudem ist der Schnitt durchaus zeitaufwändiger.

Als kostengünstigste Lösung hat sich DaVinci Resolve 16 von Black Magic erwiesen. Das Schnittprogramm ist in der aktuellen Version gratis downloadbar. Das Programm bietet die Möglichkeit des sogenannten "Multicam Schnitts". Hierbei werden alle Dateien der Aufnahme zusammengeführt – und das Beste: sie werden sogar synchronisiert. Dies geschieht anhand des Tons der jeweiligen Datei, also niemals den Ton abdrehen!

Sind die Perspektiven synchronisiert, dann kann es mit dem Schnitt losgehen. Dazu kann man entweder händisch jede einzelne Überblendung hineinzuziehen oder man macht es wie im Fernsehen. Dazu wird eine Aufnahme gestartet, in einem Fenster sind alle Perspektiven zu sehen, in einem anderen das gerade aktive Bild. Um dann jeweils eine bestimmte Kamera zu schneiden drückt man die jeweilige Zahl. Klingt erstmal recht easy, ist es auf eine Art auch – nur gibt es das Problem, dass der PC dazu recht hohe Anforderungen haben muss.

Wer den Wald vor lauter Bäumen im Videoschnitt nicht sieht, dem sei das ein oder andere Videotutorial ans Herz gelegt.

Wer ein wenig Geld übrig hat, kann den Schnitt auch mit Adobe Premiere machen. Dort gibt es ebenfalls die Möglichkeit des "Multicam Schnittes". Im Endeffekt ist es auch eine Geschmacksfrage, womit man sein Video schneiden möchte. Denn während die Grundfunktionen der meisten Tools ähnlich sind, ist deren konkrete Ausgestaltung und Platzierung in der Software jeweils etwas unterschiedlich.

Was ist noch zu beachten?

Wer sich mit dem sog. Color Grading, also der Farbanpassung des Materials auskennt, sollte unbedingt eine Angleichung der Farben vornehmen. Natürlich sollte der Weißabgleich der einzelnen Kameras aufeinander abgestimmt werden, jedoch kann es dennoch zu Abweichungen von Modell zu Modell kommen. Durch das Color Grading gibt es nochmal eine Feinabstimmung.

Ansonsten fühlt euch frei zu Experimenten.

Du hast selbst bereits Erfahrung mit Livevideos gemacht? Dann freuen wir uns über deine ergänzenden Tipps in den Kommentaren!

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