Hoffnung auf eine europäische Lösung
Livebranche fordert EU zum Handeln gegen überteuerte Ticketweiterverkäufe auf
ticketing liveszene feat viagogo stubhub
Michael McGrath, Justizkommissar der EU. © European Union
Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes zählen zahlreiche prominente Künstler und Branchenakteure, darunter die deutschen Bands AnnenMayKantereit, Die Ärzte, Die Toten Hosen, Einstürzende Neubauten und Rammstein.
Auch die Managements internationaler Acts wie Ed Sheeran, Nick Cave, Oasis und Radiohead haben den Brief unterzeichnet. Weitere Unterstützung kommt von Agenturen, die u. a. Florence + The Machine, Fontaines D.C., Gorillaz, Harry Styles, Katy Perry, Lorde, Olivia Dean und Sam Smith vertreten.
Forderung nach Maßnahmen der EU
Konkret fordern die Unterzeichner:innen eine Ausweitung des geplanten Digital Fairness Act (DFA), um Missbrauch im Ticketzweitmarkt explizit zu adressieren. Das Gesetz soll den Verbraucherschutz gegenüber unfairen Online-Praktiken stärken.
Nach Angaben der Branche erzielt der nicht autorisierte Ticket-Weiterverkauf in Europa jährlich ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro. Zehntausende Fans seien jedes Jahr betroffen – oft durch massiv überteuerte Tickets, gefälschte oder doppelt verkaufte Eintrittskarten oder Angebote, die gegen die jeweiligen Veranstaltungsbedingungen verstoßen.
Enttäuschung über bisherige Maßnahmen
Trotz verschärfter Regeln für Onlineplattformen im Rahmen des Digital Services Act zeigt sich die Branche enttäuscht über die bisherige Durchsetzung. Mitglieder der Initiative FEAT (Face-value European Alliance for Ticketing), die sich gegen überhöhten Weiterverkauf von Konzertkarten einsetzt, berichtet, dass bislang fast 1.000 illegale Ticketangebote gemeldet wurden – ohne dass es zu einer einzigen Entfernung gekommen sei.
Plattformen wie Viagogo, StubHub International, Gigsberg und Ticombo würden weiterhin gegen EU- und nationale Gesetze verstoßen, so der Vorwurf. Vor diesem Hintergrund appelliert die Branche an die EU, den Digital Fairness Act zu nutzen, um dem kommerziellen Ticketmissbrauch wirksam entgegenzutreten – ein Schritt, der laut Unterzeichnern breite Unterstützung im europäischen Live-Sektor finden würde.
Viel Unterstützung von Veranstaltern und Branchenorganisationen
Rückhalt erhält die Initiative zudem von namhaften Festivals und Kultureinrichtungen wie dem Montreux Jazz Festival, dem Sziget Festival, dem Sunny Hill Festival sowie Irlands The Big Day Out Festival. Auch Theaterhäuser, Orchester und Spielstätten – vom Tschechischen Nationaltheater über das Estnische Dramatische Theater bis hin zur Malta Philharmonic Orchestra – unterstützen den Appell.
Auf Verbandsebene stehen unter anderem die Sports Rights Owners Coalition, YOUROPE – The European Festival Association (mit 138 Mitgliedern aus 31 Ländern) sowie die Association of Independent Music Ireland hinter dem Schreiben.
Komplizierte Rechtslage
Das Problem des Ticketzweitmarkts beschäftigt die Livebranche schon seit Jahren, ohne dass eine Lösung absehbar wäre. Grundsätzlich ist in vielen Ländern (wie Deutschland) der Weiterverkauf von Eintrittskarten grundsätzlich gestattet, auch dann, wenn er mit Gewinnabsicht erfolgt (die Ausnahme sind personalisierte Tickets).
Seitdem aber große Websites wie Viagogo und StubHub in ganz großem Stil Konzertkarten im Internet weiterverkaufen, hat sich das früher überschaubare Problem zu einem massiven Ärgernis für Verbraucher, Künstler und Veranstalter entwickelt.
Fragwürdige Angebote, extrem überzogene Preise, massive Gesetzesverstöße und nicht existierender Kundenservice bzw. Verbraucherschutz dominieren den Zweitmarkt, ohne dass gesetzliche Maßnahmen bisher Wirkung gezeigt hätten.
Ähnliche Themen
"Widerlicher Service"
Debatte um Zweitmarkt: Olivia Dean übt heftige Kritik an Ticketmaster und AEG
veröffentlicht am 25.11.2025
Für einen fairen Ticket-Zweitmarkt
Europäische Ticket-Allianz FEAT fordert Maßnahmen der EU gegen illegalen Weiterverkauf
veröffentlicht am 21.10.2025
Fragwürdige Angebote
Radiohead Tickets werden auf dem Zweitmarkt zu Höchstpreisen angeboten
veröffentlicht am 18.09.2025
Auf der Suche nach Lösungen
Der Ticketzweitmarkt bleibt ein Problem für Veranstalter, Künstler und Musikfans
veröffentlicht am 06.08.2025
Kein Gnade mit den Bots
Radikale Maßnahmen: Chappell Roan storniert Tickets im Kampf gegen Zweitmarkt
veröffentlicht am 09.09.2024