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Unbefriedigendes Ergebnis

Nach Brexit-Deal: Vertreter/innen der UK-Musikbranche äußern Kritik

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 14.01.2021

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Nach Brexit-Deal: Vertreter/innen der UK-Musikbranche äußern Kritik

© Porapak Apichodilok via Pexels

Vertreterinnen und Vertreter der britischen Musikindustrie kritisieren weiterhin die Auswirkungen des Brexit auf die Musikindustrie im UK und fordern Nachbesserungen hinsichtlich der Visa-Regelungen.

Die Kritik der britischen Musikbranche an den unbefriedigenden Ergebnissen der Brexit-Verhandlungen zwischen EU und UK reißen nicht ab: Der britischen Regierung wird vorgeworfen, den Vorschlag der EU, Musikerinnen und Musiker von der mit dem Brexit eintretenden Visumpflicht auszunehmen, abgelehnt zu haben. 

Die EU-Abgeordneten gaben an, das UK sei nicht bereit gewesen, der Gegenpartei mit demselben Angebot entgegenzukommen – und das, während das britische Parlament die Schuld ausnahmslos der EU zuschreibt

Visapflicht als Hauptthema 

Es ist möglich, dass in den Aussagen beider Parteien je ein Funken Wahrheit steckt. So soll die britische Regierung eine Art 30-Tage-Regelung vorgeschlagen haben, während die EU auf eine 90-Tage-Regelung bestanden haben soll.

Darüber, dass Musikern bürokratische Hürden genommen werden sollten, seien sich die Verhandlungspartner einig. Nur zu einem Kompromiss reiche dieses grundlegende Einverständnis aktuell nicht. 

Die Branche verlangt Transparenz

In jedem Fall fordern Vertreter/innen der Musikindustrie Klarheit über das, was bei den Verhandlungen zum Handelsabkommen besprochen wurde – und die letztendlichen Streitpunkte, die eine Kompromisslösung verhinderten.

Musikerverbände wie die Association of Independent Musicians (AIM) geben an, dass es vor allem die Branche ist, die unter den Beschlüssen leidet und sich deswegen von der Regierung im Stich gelassen fühlt: Zwar sei die kreative Industrie belast- und wandelbar und sei in der Lage, mit den neuen Hürden umzugehen. Doch gerade kleinere Unternehmen und Künstler/innen würden als Verlierer/innen hervorgehen – so Andy Corrigan, Gründer des Unternehmens Viva La Visa.

Paul Pacifico, Geschäftsführer der AIM, die in ständigem Kontakt mit dem Department for Digital Culture, Media & Sport des britischen Parlaments steht, um einen besseren Ausweg zu finden, äußert sich wie folgt dazu:

"Trotz aller Enttäuschungen ist es essenziell, dass wir uns auf die wirklichen Probleme fokussieren, wo diese auftauchen, z.B. Arbeitserlaubnis, Umsatzsteuer und Daten. Wir müssen mit der Regierung und den EU-Ansprechpartner/innen zusammenzuarbeiten, um diese Probleme zu lösen. Wir müssen diszipliniert und fokussiert bleiben, um sicherzugehen, dass die Musikindustrie das Beste aus jeder Gelegenheit macht; und wir werden weiterhin auf ein besseres Ergebnis drängen."

Angemessene und unkomplizierte Visaregelung 

Auch der Verband IMPALA (Independent Music Publishers and Labels Association), der aus über 4000 europäischen Independent-Labels und Vertriebsorganisationen besteht, ist vom Brexit betroffen und hält enge Verbindung zur Europäischen Kommission in Brüssel. Helen Smith, die den Excecutive Chair der Gesellschaft inne hat, unterstreicht ebenfalls die Relevanz eines zielführenden Konzepts:

"IMPALA betont, dass eine angemessene und unkomplizierte Visaregelung, die in beide Richtungen geht, für unsere Mitglieder sowohl in Großbritannien als auch in den EU-Ländern entscheidend ist. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, dabei zu helfen, Lösungen zu erarbeiten, die uns weiterbringen. Wir haben Hoffnung, dass dies bei Themen wie diesen, bei denen es ein klares gemeinsames Interesse gibt, noch möglich ist."

Am Ende des Tages sei es nicht von Bedeutung, wer Schuld habe. Diese Erkenntnis würde niemandem helfen; so auch Jamie Njoku-Goodwin, Geschäftsführerin von UK Music. Wichtig sei nur, dass beide Seiten diese Angelegenheit wirklich regeln wollen. Es sei zwingend erforderlich, dass diese sich an einen Tisch setzen und sich schnellstmöglich auf eine Lösung einigen.

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