Weitreichendes Interview
Sony Music CEO Rob Stringer fordert höhere Streaming-Preise und mehr Geld von TikTok
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Sony Head Office (2023). © Sony Music
Die Vergütung in der Musikindustrie durch Streaming-Plattformen war eines der zentralen Themen des halbstündigen Gesprächs von Sony CEO Rob Stringer mit Reporter Lucas Shaw bei Bloomberg Screentime.
Dabei erklärte Stringer, dass die Musikindustrie knapp 70 Prozent der Einnahmen der Streaming-Plattformen erhalte. Insgesamt seien die Einnahmen aber zu gering. Der Grund dafür sei, dass die User zu wenig für die Musik auf Streaming-Plattformen bezahlen.
Spotify hätte Preise früher erhöhen sollen
Ein zentrales Beispiel sei Spotify. Bereits seit Jahren versuche die Musikbranche Spotify zu überzeugen, die Abo-Preise zu erhöhen, aber erst im Sommer 2023 passte der Streamingdienst den Preis an.
Stringer erklärte, dass Spotify schon früher seine Abonnementpreise hätte erhöhen sollen, und zwar in den letzten fünf Jahren um jeweils einen Dollar jährlich. Die Anpassung im vergangenen Jahr war demnach überfällig. Dennoch sieht er wie die Plattform grundsätzlich positiv: Spotify habe es "auf spektakuläre Weise geschafft, ein Geschäft rund um Musik aufzubauen".
TikTok ist keine Promotion-Plattform
Neben Streamingdiensten zählt Stringer auch TikTok zu den Plattformen, die der Branche und damit den Künstler*innen zu wenig Geld zahlen. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein. Bereits zu Beginn des Jahres sorgte Universal für Aufsehen, als es seinen Musikkatalog zeitweilig von der Plattform nahm.
Der Sony-CEO sieht die Verantwortung aber nicht nur bei TikTok, sondern auch bei der Musikbranche selbst. TikTok versuche, die Preise zu drücken, indem es sich als Promotion-Plattform für die Musikindustrie verkaufe. Daran habe die Musikindustrie Anteil: "Wir haben ihnen erlaubt, MTV zu sein – und das hätten wir nicht tun sollen", erklärt Stringer.
TikTok sei aber keine Promotion-Plattform, sondern ein sehr profitables Unternehmen. Entsprechend sollte TikTok die Musikindustrie für die Nutzung der Musik auf der Plattform angemessen vergüten.
Chancen der Katalog-Investitionen
Wie auch andere Musiklabels machte die Verlagssparte von Sony in den vergangenen Monaten immer wieder mit den Käufen von Musik-Katalogen berühmter Bands und Solokünstler auf sich aufmerksam. Dazu zählen beispielsweise Queen, Michael Jackson, Bruce Springsteen und Pink Floyd.
"Es sind Goldminen", erklärt Stringer. Die Musik solcher Superstars werde generationsübergreifend gehört, weshalb die Kataloge für Sony äußert lukrativ seien. Dazu tragen auch Live-Inszenierungen wie "MJ:The Musical" bei, an dem Sony Music beteiligt ist. Da das Musical aktuell in fünf Städten spielt, sei dies so, als würde ein Künstler fünfmal auf Tour gehen.
Neue Möglichkeiten der digitalen Auswertung erlaubten es zudem, Meisterwerke wie "Dark Side of the Moon", "Thriller", "Bohemian Rhapsody" oder "Born To Run" jüngeren Generationen zu vermitteln.
Künstliche Intelligenz in der Musik
Als weitere Chance für die Musikindustrie sieht Rob Stringer Künstliche Intelligenz. Er gehe davon aus, dass es mithilfe von KI in der Zukunft möglich werde, neue großartige Musik zu komponieren.
Wichtig sei allerdings, zuvor den rechtlichen Rahmen festzulegen, um zu sichern, dass die Künstler und Rechteinhaber für Training und Output der KI-Modelle bezahlt würden. Sony hat deshalb vor einigen Monaten einen Brief an KI-Unternehmen verschickt und ihnen die Nutzung seiner Musikwerke zum KI-Training untersagt.
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