Identitätsdiebstahl im großen Stil
Sony Music fordert Löschung von über 260.000 KI-Deepfakes auf Streaming-Plattformen
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Sony Head Office (2023). © Sony Music
Die Zahl der von Sony Music gemeldeten KI-Deepfakes ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Ende März 2026 hatte das Unternehmen noch die Entfernung von rund 135.000 KI-generierten Tracks verlangt. Bis Ende September waren es bereits mehr als 260.000.
Sony beschreibt die Inhalte als KI-generierte Deepfake-Tracks, die ohne Erlaubnis Stimmen und Identitäten der Künstler imitieren. Betroffen sind unter anderem Harry Styles, Adele, Britney Spears, Queen und Michael Jackson.
Das Unternehmen sieht darin ein wachsendes Problem. Die Inhalte würden in großem Umfang verbreitet, Künstler schädigen, Fans täuschen und einen ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz untergraben.
Zahl der Deepfakes steigt stark
Bereits seit mehreren Jahren versucht Sony Music, gegen solche Inhalte vorzugehen. Dennis Kooker, President of Global Digital Business & U.S. Sales bei Sony Music Entertainment, erklärte im November 2023, das Unternehmen habe damals bereits fast 10.000 Löschaufforderungen an verschiedene Plattformen geschickt. Diese hätten teilweise auf Lücken in der Gesetzgebung verwiesen, um die Entfernung der Inhalte hinauszuzögern oder abzulehnen.
Bis März 2025 war die Zahl der von Sony gemeldeten Deepfakes auf mehr als 75.000 gestiegen. Ein Jahr später waren es bereits 135.000. Allein zwischen Ende März und Ende September 2026 kamen damit mehr als 125.000 weitere Fälle hinzu.
Kooker bezeichnete Deepfakes im März 2026 als nachfragegetriebenes Phänomen. Die Anbieter solcher Inhalte profitierten davon, dass bekannte Künstler ihre Musik öffentlich bewerben und dadurch Aufmerksamkeit erzeugen.
KI-Tracks als Betrugsinstrument
Das Ziel der KI-Tracks ist es, Einnahmen durch Tantiemen zu erzielen. KI-Songs werden häufig mit Hilfe von Bots gestreamt, was die Musikindustrie nach Angaben der Financial Times jährlich bis zu 2,2 Milliarden US-Dollar kosten könnte.
Die Streaming Plattform Deezer berichtet, dass der Anteil der täglich hochgeladenen KI-Songs fast die Hälfte der täglichen Uploads erreicht hat und dass bis zu 70 Prozent der erzielten Streams der KI-Tracks von Bots stammen.
Sony fordert Plattformen zum Handeln auf
Gegenüber der "Financial Times" erklärte Sony Music nun, die Rechte seiner Künstler weiterhin durchsetzen zu wollen. Von den Plattformen erwarte das Unternehmen, dass sie entsprechende Inhalte schnell entfernen und verhindern, dass dieselben Deepfakes erneut hochgeladen werden. Dies werde angesichts der steigenden Zahl der Fälle jedoch zunehmend schwieriger.
Wie viele der mehr als 260.000 gemeldeten Tracks tatsächlich entfernt wurden, ist nicht bekannt. Auch dazu, welche Plattformen die aktuellen Löschaufforderungen erhalten haben und wie schnell sie darauf reagierten, liegen keine Angaben vor.
Spotify will Künstlerprofile vor Imitationen schützen
Spotify unterscheidet in seinen Richtlinien zwischen nicht autorisierten KI-Klonen von Künstlerstimmen und dem betrügerischen Hochladen von Musik auf das Profil eines anderen Künstlers. Aus den von Sony veröffentlichten Zahlen geht aber nicht hervor, wie sich die gemeldeten Fälle auf diese beiden Kategorien verteilen.
Allerdings hat Spotify bereits im März das Artist Profile Protection-Feature vorgestellt. Wenn das Feature aktiviert ist, müssen Betreiber von Künstlerprofilen jeden hinzugefügten Content freigeben, bevor er auf dem Künstlerprofil erscheint. Alternativ werden Künstler benachrichtigt, sobald Content auf ihr Profil hochgeladen wird und können dann entsprechend reagieren.
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