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Digitale Straßenmusik?

Spotify führt Spenden-Button für KünstlerInnen in der Krise ein und erntet Kritik

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 04.05.2020

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Spotify führt Spenden-Button für KünstlerInnen in der Krise ein und erntet Kritik

© Spotify

Mit einem neuen Spenden-Button will die Streaming-Plattform Spotify Musikerinnen und Musiker in der Corona-Krise unterstützen. Doch das Feature stößt auf lautstarke Kritik.

Bei Spotifys neuem "Artist Fundraising Pick" handelt es sich um einen Button, den Musikerinnen und Musiker auf ihrer Artist-Page aktivieren können. Über den Button können Hörerinnen und Hörer entweder an eine von der Musikerin bzw. dem Musiker selbst ausgewählten Wohltätigkeitsorganisation und Fonds oder aber an die Musikerin/den Musiker selbst spenden. 

Zu den ausgewählten Organisationen und Fonds gehören u.a. der Corona-Fonds der Deutschen Orchesterstiftung und die Corona-Hilfe der Initiative Musik; Musiker/innen können Spenden über Cash App, GoFundMe und PayPal.me empfangen. Spotify verspricht außerdem, die getätigten Spenden bis zu einem Gesamtbetrag von 10 Millionen Dollar mit eigenen Mitteln zu doppeln. 

Unnötiges Dilemma

Natürlich handelt es sich bei dem "Artist Fundraising Pick" prinzipiell um eine Idee, von der nicht nur Musikerinnen und Musiker, sondern ein großer Teil der von der Corona-Krise betroffenen Musikindustrie profitieren. 

Doch gleichzeitig sorgt Spotify mit dem Spendenbutton in dieser Hinsicht für ein unangenehmes Dilemma für Musikerinnen und Musiker: Die Acts und Artists müssen sich bei der Einrichtung des Buttons entscheiden, ob sie Spenden für Fonds entgegennehmen wollen, die der ganzen Industrie helfen, oder "nur" für sich selbst.

Durch die Wahlmöglichkeit laufen Musikerinnen und Musiker Gefahr, als egoistisch wahrgenommen zu werden, weil sie mit dem Spendenbutton keinen größeren Fonds unterstützen. Doch sind gerade kleinere Musiker/innen derart von der Coronakrise betroffen, dass sie selbst finanzielle Unterstützung benötigen. 

Eine Frage der Verantwortung

Gleichzeitig wälzt Spotify eine Verantwortung auf seine Kundinnen und Kunden ab, die eigentlich dem Unternehmen zukäme: die Verantwortung für die Musikerinnen und Musiker, deren Kunst Spotifys "Produkt" darstellt.

Statt die immer wieder als zu niedrig kritisierten Auszahlungen an Künstler/innen zu erhöhen oder, wie jüngst häufiger gefordert, auf ein Nutzer/innen-zentriertes Bezahlmodell umzustellen, überlässt die Streaming-Plattform dies den Kund/innen, die sowieso schon Abo-Gebühren zahlen.

Unterstützt die Kreativen!

Der Guardien sieht damit in der Vorgehensweise von Spotify nicht nur einen "Schlag ins Gesicht der Musiker/innen", sondern auch ein stillschweigendes Eingeständnis, dass die eigenen Auszahlungen tatsächlich zu niedrig sind: ohne das Live-Business, das zweite große Standbein der Musizierenden, reichen die Erlöse durch Spotify in den meisten Fällen nicht zum Überleben. 

Die Aufforderung des Guardian ist daher die, Musikerinnen und Musiker so gut es geht zu unterstützen: Durch Spenden über Spotify, durch Merch- und Tonträger-Käufe. Und dabei gleichzeitig nicht zu vergessen, dass es die Musiker/innen sind, die Kunst schaffen – und dass Spotify eine Verantwortung gegenüber diesen Musiker/innen hat, die es nicht abgeben kann. 

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