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Auch Universal sieht KI nicht als Bedrohung

Universal CEO Lucian Grainge setzt auf Superfans, KI-Formate und globale Expansion

News von Julian Engl
veröffentlicht am 09.03.2026

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Universal CEO Lucian Grainge setzt auf Superfans, KI-Formate und globale Expansion

Lucian Grainge (links), CEO Universal Music Group, gemeinsam mit dem Schauspieler James Corden und Irving Azoff (Azoff MSG Entertainment) (2018). © Luke Harold via Flickr / Lizenz: CC0

Universal Music will stärker von Künstlicher Intelligenz, direkten Fanbeziehungen und neuen Märkten profitieren. CEO Lucian Grainge sieht darin wichtige Bausteine für die nächste Wachstumsphase des Unternehmens.

Der CEO der Universal Music Group, Lucian Grainge, sieht sein Unternehmen strategisch gut positioniert, um von technologischen Veränderungen und neuen Erlösmodellen in der Musikindustrie zu profitieren.

Wie das Branchenportal Music Business Worldwide über den jüngsten "Earnings Call" des Unternehmens berichtet, betonte Grainge insbesondere die Chancen durch Künstliche Intelligenz, neue Superfan-Angebote sowie die Expansion in wachstumsstarke Märkte.

Wachstum durch Übernahme

Besonderen Fokus legt er auf die jüngst von der EU genehmigte Übernahme von Downtown Music, die er als ebenso bedeutend ansieht wie die Übernahme von EMI im Jahr 2011:

"Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Übernahme von Downtown ebenso transformativ sein wird. Sie schafft einen skalierbaren und profitablen Wachstumsmotor, der auch die Kerngeschäfte von UMG in den Bereichen Label, Verlagswesen und Superfan-Geschäft stärkt und es uns ermöglicht, die gesamte Musikindustrie besser abzudecken."

KI als kommerzielle Chance

Grainge widersprach dabei ausdrücklich der verbreiteten Einschätzung vieler Investoren, Künstliche Intelligenz stelle vor allem ein Risiko für Musikunternehmen dar. Aus seiner Sicht eröffnen KI-Technologien vielmehr "beispiellose kommerzielle Möglichkeiten" für Künstler und Labels.

Universal Music habe deshalb bereits Partnerschaften mit mehreren KI-Unternehmen geschlossen, darunter Udio, Stability AI sowie der Musikplattform Splice. Zudem arbeitet das Unternehmen mit NVIDIA an neuen Anwendungen, die Musik interaktiver und personalisierter erlebbar machen sollen.

Grainge argumentiert, KI werde nicht nur bestehende Geschäftsmodelle ergänzen, sondern auch völlig neue Formate hervorbringen. Besonders im Bereich der Fan-Interaktion erwartet der Chef personalisierte Musikerlebnisse und neue Möglichkeiten für Künstler, mit ihrem Publikum zu interagieren.

KI-Musik bisher kaum relevant für Streamingumsätze

Auch Befürchtungen, dass KI-generierte Musik den Marktanteil etablierter Künstler verwässern könnte, sieht das Management bislang nicht bestätigt. Laut Angaben von UMGs Chief Digital Officer Michael Nash spielen KI-Künstler im Streamingmarkt derzeit nur eine marginale Rolle.

Die zehn erfolgreichsten KI-Acts des Jahres 2025 hätten global lediglich Platzierungen zwischen Rang 7.000 und 92.000 erreicht. Insgesamt machten KI-Tracks weniger als einen halben Prozentpunkt des gesamten Streamingkonsums aus.

Ein Großteil der hochgeladenen KI-Musik werde zudem von Plattformen als Spam oder betrügerischer Content identifiziert und von der Vergütung ausgeschlossen. Streamingdienste wie Spotify, Apple oder Deezer hätten bereits umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um entsprechende Inhalte zu filtern.

Zudem verwies Grainge darauf, dass nach eigenen Erhebungen von Universal mehr als zwei Drittel aller Musikhörer KI-Musik ablehnten und fast 80 Prozent menschliche Kreativität als essentiell für Musik bezeichnen.

Superfans als bislang unterschätzte Einnahmequelle

Neben KI sieht Grainge erhebliches Wachstumspotenzial bei besonders engagierten Musikfans. Der Markt für sogenannte "Superfans" sei seiner Einschätzung nach bislang deutlich untermonetarisiert.

Universal Music betreibt derzeit rund 1.600 Onlineshops für Künstler und Labels, die bereits Umsätze im dreistelligen Millionenbereich generieren. Gleichzeitig setzt das Unternehmen zunehmend auf Partnerschaften mit spezialisierten Plattformen, darunter die Superfan-Plattform Stationhead, die virtuelle Fan-Events und Listening-Partys für UMG-Acts organisiert.

Solche Formate könnten laut Grainge künftig eine wichtige Rolle spielen, um zusätzliche Einnahmen durch exklusive Inhalte, Events oder Fanprodukte zu generieren.

Internationale Expansion bleibt zentraler Wachstumstreiber

Darüber hinaus legt Universal Music seinen Fokus auf internationale Märkte. Besonders Indien gilt als strategisch wichtiger Wachstumsmarkt.

So hat UMG unter anderem eine Beteiligung am indischen Film- und Medienunternehmen Excel Entertainment erworben. In einem Markt, in dem Filmsoundtracks traditionell eine zentrale Rolle spielen, soll die Kooperation neue Möglichkeiten für Musikverwertung und Publishing eröffnen.

Ähnliche Expansionsstrategien verfolgt das Unternehmen auch in anderen Regionen, darunter China und Japan.

Strategische Weichen für die nächste Wachstumsphase

Grainge sieht Universal Music damit gut vorbereitet für die nächste Entwicklungsphase der Branche. Neben technologischen Innovationen sollen vor allem neue Erlösmodelle rund um Fans, digitale Plattformen und internationale Märkte das Wachstum antreiben.

Ob sich diese Strategie langfristig auszahlt, dürfte jedoch auch davon abhängen, in welchem Tempo sich neue Technologien wie KI tatsächlich im Musikmarkt etablieren und ob die von Grainge beschriebenen neuen Formate von Künstlern und Fans gleichermaßen angenommen werden.

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