Die Musikindustrie ohne einheitliche Linie
Zwischen Kooperation und Klagen: Neues Suno-Modell v6 spaltet die Musikbranche
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© Numan Ali via Unsplash
Suno verspricht für v6 eine höhere Geschwindigkeit, präzisere Ergebnisse und eine verbesserte musikalische Ausdrucksfähigkeit. Zugleich verweist das Unternehmen auf seine Zusammenarbeit mit Partnern aus der Musikbranche wie der Warner Music Group, BMG und Believe.
Während Suno das neue Modell damit als Teil einer stärkeren Annäherung an die Musikbranche präsentiert, gehen Universal Music Group und Sony Music Entertainment mit einer neuen Klage gegen das Unternehmen vor. Sie werfen Suno vor, urheberrechtlich geschützte Tonaufnahmen ohne entsprechende Lizenzen für das Training des neuen Modells verwendet zu haben.
Drei Modelle für unterschiedliche Ansätze
Suno setzt bei v6 erstmals auf eine Modellfamilie mit drei Varianten. V6 bildet das Flaggschiff und richtet sich an Pro- und Premier-Abonnenten. Es soll detaillierte Vorgaben möglichst präzise umsetzen und hochwertige Ergebnisse über unterschiedliche Genres und musikalische Stile hinweg liefern.
V6-wild ist dagegen auf weniger vorhersehbare und variantenreichere Ergebnisse ausgelegt. Das Modell soll vor allem beim Entwickeln neuer musikalischer Ideen helfen, die anschließend mit v6 weiterbearbeitet werden können.
V6-mini steht allen Nutzern zur Verfügung und ist als schnellere und effizientere Variante für erste Entwürfe gedacht.
Songs gezielt weiterbearbeiten
Eine wichtige Neuerung betrifft die Bearbeitung bereits vorhandener Songs. Nutzer sollen künftig nicht mehr zwangsläufig einen kompletten Titel neu generieren müssen, wenn sie nur einzelne Teile verändern wollen.
Zudem lassen sich unterschiedliche Quellen miteinander kombinieren. Über Funktionen für Sampling und das Isolieren einzelner Bestandteile können musikalische Elemente aus vorhandenem Material herausgelöst und als Ausgangspunkt für neue Ideen verwendet werden. Auch einzelne Lyrics sollen sich verändern lassen, ohne den kompletten Song neu erstellen zu müssen.
Audio, Bilder und Videos als Ausgangsmaterial
Mit v6 soll Musik zudem nicht mehr ausschließlich auf Basis von Textbeschreibungen entstehen. Laut Suno können auch Audio, Bilder und Videos als Ausgangspunkt für neue Musik verwendet werden.
Für Musiker erweitert das die Möglichkeiten bei der Ideenfindung. So können etwa ein musikalisches Fragment, eine visuelle Referenz oder ein Video als Grundlage für neue Entwürfe dienen.
Zwischen Kooperation und Konflikt
Suno verweist bei der Entwicklung seiner Technologie auch auf die Zusammenarbeit mit Künstlern, Produzenten und Songwritern. Unter anderem sollen Erfahrungen aus Writing-Camps in die Weiterentwicklung der Modelle eingeflossen sein.
Parallel arbeitet das Unternehmen an Schutzmechanismen für hochgeladene Inhalte. Audio und Lyrics sollen auf mögliche unautorisierte Nutzung überprüft werden. Zudem will Suno transparenter machen, wann und wie KI bei der Entstehung von Musik eingesetzt wurde.
Der Konflikt um die Trainingsdaten ist damit allerdings nicht beigelegt. Sony Music und Universal Music werfen Suno vor, mehr als 60.000 urheberrechtlich geschützte Tonaufnahmen ohne entsprechende Lizenz kopiert und für das Training seiner KI-Modelle verwendet zu haben.
Suno bestreitet die Vorwürfe und erklärt, v6 sei von Grund auf neu trainiert worden. Universal und Sony stellen diese Darstellung infrage. Nach ihrer Argumentation bauen die neuen Modelle auf früheren Suno-Modellen auf, die ihrerseits mit nicht autorisierten Tonaufnahmen trainiert worden seien.
Opt-in statt grundsätzlicher Ablehnung
Wie unterschiedlich die Musikindustrie auf generative KI reagiert, zeigt das Beispiel Believe. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit betont, dass Musik von Künstlern nicht ohne deren Zustimmung für KI-Training zur Verfügung gestellt werden solle.
Die spätere Zusammenarbeit mit Suno setzt deshalb auf einen anderen Ansatz: Künstler und Rechteinhaber sollen selbst entscheiden können, ob sie sich an KI-basierten Angeboten beteiligen. Damit verschiebt sich die Debatte zunehmend von der grundsätzlichen Frage, ob generative KI in der Musikindustrie eingesetzt werden soll, hin zu den Bedingungen, unter denen dies geschieht.
Suno versucht zugleich, seine Rolle im Musikgeschäft zu erweitern. Aus dem KI-Tool, das vor allem für die Generierung kompletter Songs per Texteingabe bekannt wurde, soll zunehmend eine Plattform werden, auf der Künstler, Produzenten und Fans miteinander interagieren können. Dabei stellt das Unternehmen auch neue Einnahmequellen für Künstler in Aussicht.
Wie diese Geschäftsmodelle konkret aussehen und wie mögliche Einnahmen verteilt werden, ist allerdings noch weitgehend offen. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob KI neue Erlösquellen schafft, sondern auch, wer daran beteiligt wird und welche Rechte dafür eingeräumt werden müssen.
Was v6 für die Musikbranche bedeutet
V6 ist damit mehr als nur eine neue Generation eines KI-Musikmodells. Die Veröffentlichung zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Musikbranche inzwischen mit generativer KI umgeht. Auf der einen Seite stehen leistungsfähigere Werkzeuge sowie neue kreative und wirtschaftliche Möglichkeiten. Auf der anderen Seite bleiben Fragen zu Urheberrecht, Trainingsdaten, Vergütung und Kontrolle ungelöst.
Für Musiker und Produzenten dürfte deshalb zunehmend weniger entscheidend sein, ob v6 technisch bessere Ergebnisse liefert. Wichtiger wird die Frage, unter welchen Bedingungen generative KI Teil des Musikgeschäfts wird: Welche Daten dürfen für das Training verwendet werden, wer entscheidet darüber und wie werden Künstler und Rechteinhaber an den Erlösen beteiligt?
Dass Suno gleichzeitig mit Teilen der Musikindustrie kooperiert und von anderen großen Rechteinhabern verklagt wird, zeigt, dass die Musikindustrie von einem einheitlichen Umgang mit Suno weit entfernt ist.
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