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Die Ersten werden die Letzten sein

Club- und Festivalkultur: Spielstättenverband LiveKomm rechnet mit Masseninsolvenz

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 02.06.2020

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Club- und Festivalkultur: Spielstättenverband LiveKomm rechnet mit Masseninsolvenz

© Tim Mossholder via Pexels

Die LiveKomm richtet sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung und warnt erneut vor den verheerenden Folgen der Corona-Pandemie für die deutsche Liveszene.

Die LiveKomm bezieht sich mit ihrem Brief (PDF) auf den Notruf des Deutschen Musikrats. Der Brief beschreibt die Betroffenheit der Musikspielstätten und (Live-)Clubs durch die Corona-Pandemie genauer und macht auf die Besonderheit der Szene aufmerksam:

"Wir waren die ersten, die zugemacht haben und werden wohl die letzten sein, die wieder aufmachen können".

Keine Rücklagen, keine Einnahmen

In dem Brief heißt es, dass, im Gegensatz zu vielen Konzerthäusern der E-Musik, privatgeführte Clubs und Livebühnen nicht staatlich gefördert sind, und aufgrund niedriger Umsatzrendite auch nicht auf Rücklagen oder Kredite zurückgreifen können.

Seit März könnten keine Einnahmen generiert werden, während die Fixkosten weiter zu zahlen seien. Für den Sommer geplante Musikfestivals müssten abgesagt werden. 

Die in einigen Bundesländern angebotenen Soforthilfeprogramme helfen einigen Veranstalter/innen und Clubbetreiber/innen zwar kurzfristig, seien aber nicht auf eine durchgehende Schließung ausgerichtet – zahlreiche Clubs, Live-Spielstätten und kleinere Musikfestivals fielen sogar ganz durch das Raster, passten nicht in die bisherigen Programme. 

Die Masseninsolvenz steht bevor

Damit steht laut LiveKomm eine Masseninsolvenz der gesamten Club- und Livespielstättenbetreiber/innen unmittelbar bevor; der Ruin der Club- und Festivalkultur in Deutschland – umso mehr, als die auf Abstandsregelungen basierenden Exit-Strategien für Clubs und Live-Musik unpassend sind. 

Die LiveKomm schreibt, dass die Akteure der deutschen Kulturbranche noch immer auf ein Sonderhilfsprogramm der Bundesregierung hoffen, wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Podcast angekündigt

Clubs und Live-Spielstätten seien nicht nur ein Ausdruck einer vielfältigen Szene, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Auch der Beitrag der kleinen Clubs, Spielstätten und Festivals zur Förderung junger und aufstrebender Musiker/innen sei nicht zu unterschätzen. 

Ein unwiederbringlicher Verlust

Um die geschlossenen Clubs und Musikspielstätten vor einer Masseninsolvenz zu bewahren, fordert die LiveKomm schnelle und passgenaue Hilfen, die die Fixkosten tragen und es ermöglichen, ein auf die Zukunft gerichtetes Kulturprogramm zu planen.

Einmal verlorene Musikspielstätten seien in teuren Städten auf Grund hoher Betriebsauflagen sowie hoher notwendiger Betriebsauflagen nicht mehr zu reaktivieren. 

Maßnahmen gefordert

Neben Zuschüssen für die Überbrückung der Schließungsphase legt die LiveKomm Finanzhilfen für Wiedereröffnungsprogramme, Gesetzesinitiativen und steuerliche Anpassungen nahe.

Dazu gehören u.a. eine Ergänzung der "Eckpunkte für Öffnungsstrategien" um clubspezifische Anforderungen sowie eine generelle Herstellung von Planungsfähigkeit für die Veranstaltenden, die Anerkennung von Live-Musikspielstätten als kulturelle Einrichtungen und die Herabsetzung der Mehrwertsteuer bei Getränkeverkäufen und Eintrittsgeldern auf 7 Prozent. 

Die vollständige Fassung des offenen Briefs findet sich hier

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Unternehmen

Live Musik Kommission (LiveKomm)

Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.

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