Jahresbilanz, Rekorde und Probleme
Loud & Clear Report: Spotify leistet Rekordzahlungen an Musikindustrie, aber Streaming-Probleme bleiben ungelöst
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© Ivan Samkov via Pexels
In seinem aktuellen "Loud & Clear"-Bericht. Darin gibt das Unternehmen Zahlen zu Musikstreaming und damit einhergehender Vergütung preis, informiert über die Verteilung der ausgeschütteten Tantiemen und vergleicht diese Daten mit denen aus vergangenen Jahren.
Rekordausschüttungen im Jahr 2024
Im Jahr 2024 hat Spotify nach eigenen Angaben über 10 Mrd. US-Dollar an die Musikindustrie ausgezahlt. Die gesamten Ausschüttungen seit Unternehmensgründung liegen mittlerweile bei 60 Mrd. US-Dollar.
Bei den 10 Mrd. US-Dollar handele es sich um einen industrieweiten Rekord: Keinen anderem Streaming-Anbieter sei es bisher gelungen innerhalb eines Jahres eine höhere Summe auszuzahlen.
Zwischen 2014 und 2024 hätten sich die jährlichen Auszahlungen von Spotify an die Musikindustrie von 1 Milliarde US-Dollar auf über 10 Milliarden US-Dollar insgesamt verzehnfacht.
Mehr Künstler profitieren
Die Anzahl der Künstlerinnen und Künstler, deren jährlichen Tantiemen durch Spotify zwischen 1.000 und 10 Mio. US-Dollar liegen, haben sich laut Spotify im Vergleich zu 2017 mindestens verdreifacht. Genaue Zahlen nennt der Bericht jedoch nicht.
Künstler*innen, die Einnahmen von mindestens 1000 US-Dollar erzielten, haben laut Spotify mehr als die Hälfte ihrer Tantiemen durch Hörer*innen außerhalb ihrer Heimatländer erhalten haben. Bei fast einem Drittel macht dieser Anteil sogar mehr als 75 Prozent aus. Unter den Künstler*innen, die mindestens 100.000 US-Dollar generierten, haben über 80 Prozent sollen mehr als 80 Prozent bereits mit Künstler*innen aus dem Ausland kollaboriert.
Insgesamt sei es über 1500 Künstlerinnen und Künstlern gelungen, über 1 Mio. US-Dollar zu generieren – mehr als 80 Prozent von diesen, ohne mit einen Song in den Spotify Global Daily Top 50 vertreten zu sein. 200 Künstler*innen hätten 2024 die Marke von 5 Mio. US-Dollar überschritten, wohingegen es zehn Jahre zuvor nur ein einziger gewesen sein soll.
Im Jahr 2024 soll Musik in acht unterschiedlichen Sprachen mindestens 100 Mio. US-Dollar generiert haben, wohingegen es sieben Jahre zuvor nur zwei Sprachen gelungen sein soll.
Viele Künstler*innen, insbesondere im Indie-Bereich
Die Anzahl der Künstler*innen, die ihre Musik bei Spotify hochladen, soll mittlerweile bei fast 12 Mio. liegen. Rund die Hälfte der von Spotify ausgeschütteten Tantiemen – nämlich ca. 5 Mrd. US-Dollar – gingen an unabhängige Labels und Musiker*innen.
Laut dem Loud & Clear Report macht Spotify aktuell weltweit etwa ein Drittel des gesamten erfassten Streaming-Umsatzes (IFPI), aber über 50 Prozent des Indies-Streaming-Umsatzes (MIDiA) aus.
Rekordjahr für Songwriter
Auch für Songwriter*innen sei 2024 laut Spotify ein Rekordjahr gewesen. Fast 4,5 Mrd. US-Dollar habe das Unternehmen in den letzten zwei Jahren an die Besitzer von Verlagsrechten – und somit an Musikverlage, Komponisten und Songwriter ausgezahlt.
Allerdings nennt Spotify keine genauen Zahlen, und verweist lediglich daraufhin, dass an dieser Stelle ebenfalls ein Rekord erzielt wurde und das Wachstum gegenüber 2023 im zweistelligen Prozentbereich gelegen haben soll.
Kritische Themen ausgespart
Wie Complete Music Update korrekt betont, spart der Bericht einige kritische Themen völlig aus, namentlich die 1000 Stream-Grenze, die unabhängige Künstler*innen ohne sachlichen Grund krass benachteiligt. Davon profitieren vornehmlich die Major Labels, während die wenigsten unabhängigen Künstler*innen von ihren Streaming-Tantiemen leben können.
Ebenfalls kein Thema ist der Versuch die Tantiemenzahlung in den USA durch die umstrittende Bundle-Strategie zu reduzieren – was natürlich Sänger*innen, Songwriter, Musikverlage und Label gleichermaßen benachteiligt. Während aber Major Labels die Möglichkeit, sich gegen diese Vorgehensweise zu wehren, stehen Indie-Artists häufig im Regen.
Kein Wunder, dass die Forderung nach besserer und transparentere Streaming-Vergütung längst ein Thema sind, das die Politik beschäftigt, zumal zahlreiche Studien die Problematik bestätigen.
Viele Krokodilstränen
Spotify unternimmt im Loud & Clear-Bericht einen groß angelegten Versuch, die negative Darstellung der Streaming-Ökonomie an einem wichtigen Punkt anzugreifen, nämlich an der Aussage, Spotify zahle pro Stream weniger als andere Streaming-Services.
Inzwischen ist den meisten Musikschaffenden wohl bekannt, dass Streaming-Anbieter keinen festen Betrag pro Stream auszahlen. Stattdessen sammeln sie alle Erträge in einem großen Pool, der dann je nach dem Anteil eines Künstlers oder einer Künstlerin am gesamten Streaming-Aufkommen aufgeteilt wird.
Dieses sog. Pro-Rata-Modell nutzt vor allem aktuellen, populären Acts und schadet älterer Musik oder Nischenmusik. Außerdem schafft es einen heftigen Anreiz für Streaming-Betrug, denn die Zahl der Streams entscheidet allein über den Anteil, den ein Act aus dem Tantiemen-Pool erhält.
Die Folge der eigenen Fehler
Für diese Verwirrung trägt aber Spotify selbst die Verantwortung, denn das Unternehmen hat bis vor kurzem nie oder nie ausreichend erklärt, wie die Auszahlung an Künstler*innen und Labels tatsächlich funktioniert. Konkrete Zahlen sind sowieso nicht erhältlich. Diese Kritik betrifft auch den aktuellen Loud & Clear Report. Man muss die darin genannten Zahlen entweder akzeptieren oder in Frage stellen, wirklich überprüfen kann man sie nicht.
Mit seiner Zahlenflut adressiert Spotify also gerade nicht einen zentralen Aspekt seines wirtschaftlichen Handels, nämlich eine transparente Einsicht in die Auszahlungen. Damit steht Spotify unter den Streaming-Services keineswegs alleine da, aber aufgrund der Tatsache, dass das Unternehmen seit neuestem hochprofitabel ist und Rekordgewinne einfährt, steigt im gleichen Maß der Erklärungsbedarf, warum bei den Künstlern noch immer so wenig ankommt.
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