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"Mach doch was Richtiges!"

Nervige Situationen und Aussagen, die jeder Musiker garantiert kennt

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 05.06.2018

motivation kritik

Nervige Situationen und Aussagen, die jeder Musiker garantiert kennt

Kannste nicht mehr hören, diese Sprüche – ne? Zurecht. © kegfire / 123RF

Musikmachender zu sein, bringt bekanntermaßen nicht nur Ruhm und Ehre. Im Gegenteil: oft geht es ganz schön unglamourös zu! Zu allem Überfluss muss man sich noch mit einigen nervigen Dingen herumplagen, die Nichtmusiker nicht einmal ansatzweise nachvollziehen können. Alternativ auch zweifelhafte Sprüche über sich ergehen lassen, die man einfach nicht mehr hören kann.

Die erste Priorität der meisten MusikerInnen ist, dass man die eigene Musik voranbringt und dabei ganz nebenbei den eigenen Lebensunterhalt verdient. Das Ganze auf langfristiger Ebene und das Glück wäre perfekt! Doch ganz so einfach ist es ja leider nie.

Am Ende des Tages sollte man alles entspannt angehen, nicht persönlich nehmen und dennoch Stellung beziehen, wenn etwas ganz und gar nicht ok ist.

"Ich wünschte, ich wäre genauso gut! Leider habe ich kein Talent!"

Lob tut gut! Lob hört man gerne! Nichtsdestotrotz schwingt bei solchen eigentlich nett gemeinten Aussagen oftmals der Eindruck mit, dass man einzig und alleine nur eine Prise Talent bräuchte, um – schwupps – ein "richtiger" Musiker zu sein.

Dass viele Jahre, unzählige Übungsstunden sowie einiges an Geldmitteln reinfließen müssen, um ein gewisses Niveau zu erreichen, wird geflissentlich ignoriert oder zumindest nicht richtig wahrgenommen.

Natürliches Talent ist nur eine Komponente von vielen, die man braucht, um ein fähiger Musiker zu werden. Wer keine Disziplin an den Tag legt, nicht ordentlich übt und stillsteht anstatt sich weiterzuentwickeln, wird zweifellos einen schweren Stand haben.

Wer sowas hört, kann also zu Recht sagen: "Du kannst genauso gut werden – du musst nur entsprechend etwas dafür tun!"

Klar, gibt es diese Wunderkinder, denen alles ganz bequem in den Schoß fällt, allerdings dürften sie eher die seltene Ausnahme als die Regel sein.

"Magst du auf Veranstaltung X spielen? Aber sorry, für die Musik gibt es leider kein Budget!"

Fangen wir mal mit einem Thema an, das man nicht so leicht beiseite schieben sollte. Vorweg wird wohl jeder verstehen, dass es keine Riesengage für junge Bands ohne nennenswerte Fanbase gibt, die zudem keine hunderte Zuschauer ziehen und noch ganz am Anfang stehen. Das ist sowohl aus Veranstalter- als auch aus Musikersicht verständlich und nachvollziehbar.

Nichtsdestotrotz kennen viele Bands und Musiker die beliebten Anfragen von Veranstaltungen, bei denen schnell ersichtlich ist, dass es für so ziemlich alles ein Budget gibt, nur nicht für die Musiker. Oft wird das Argument gebracht, die Band bekäme durch die Veranstaltung kostenlose Promo und sollte sich darüber freuen.

Aber ganz ehrlich, würde man bei anderen Arbeitsbereichen das gleiche Argument bringen? Arbeitet der Catering-Dienst etwa umsonst oder gibt die Veranstaltungstechnik ihre Geräte für umme her, weil die Firma sich erst dadurch "richtige" Aufträge erhofft? Wohl kaum.

Bestimmt gibt es für jeden von uns genug Events oder Konzerte, bei denen man gerne mal nur für Catering oder Spritgeld auftritt. Doch sobald ersichtlich wird, dass du der Einzige bist, der nur aus Spaß an der Freude spielt, hinterlässt das mehr als einen faden Beigeschmack und vielleicht ist es besser, du lässt von diesem Gig die Finger weg.

"Du, dein Sound ist doch total out, geh doch mal mehr Richtung {Künstler hier einsetzen}!"

Sich heutzutage im Musikbusiness zu behaupten, bedeutet auch, gewissermaßen einzigartig zu sein. Das muss man auch, denn "nur" gute Musik gibt es wie Sand am Meer. Für viele Außenstehende liegt es daher nahe, einfach einen angesagten Künstler nachzuahmen oder die Gunst der Stunde zu nutzen und auf einem temoporären Trend mitzuschwingen.

Doch ist das wirklich sinnvoll? Reflektierte Musiker werden dies auf jeden Fall verneinen. Warum sollte ich mir eine schlechte Kopie der Queens Of The Stone Age geben, wenn das Original schlichtweg unerreichbar ist? Oder warum soll man sich die xte Milky-Chance-Kopie anhören, wenn eine Weile lang fast jeder Song im Radio das gleiche Konzept kopierte?

Wenn man also aus Kalkül einem Trend hinterherhechelt, wird man immer zu spät zur Stelle und nur einer von vielen sein. Denn im Zweifel hört jeder lieber das Original.

Trends kommen und gehen. Wer allem hinterherläuft, wird die eigene Identität niemals finden und Alben veröffentlichen, die null Originalität enthalten. Auf der anderen Seite gibt es viele Künstler, die allem getrotzt und einfach ihr Ding gemacht haben. Eines Tages kam dann auch ihre Zeit. Und warum? Weil sie an sich geglaubt haben.

"Musik sollte kostenlos sein! Wo bleibt da sonst die Kunst!"

In gewisser Weise knüpft dieser Punkt auf Nummer 2 an, zeigt aber auch weitere Facetten dieser Meinung. Ein solches Verständnis gegenüber Kunst zeugt von einem größeren Problem, das im digitalen Zeitalter vorherrscht: Trotz der Renaissance des Formats Vinyl spielen physische Medien eine immer untergeordnetere Rolle. Dadurch geht eine gewisse Wertschätzung für CDs oder auch Bücher verloren.

Wenn ein Independent-Künstler mehrere Jahre an seinen Fähigkeiten arbeitet, sich hochwertiges Equipment kauft, noch womöglich eigenfinanziert ins Studio geht, dann kann er erwarten, dass das auch monetär vergütet wird. Das ist sein gutes Recht. Das Klischee des klammen Künstlers, dem alles egal ist, da er einzig und alleine für sein Werk lebt, dürfte heutzutage mehr als überholt sein. Das des "Sell-out"-Künstlers allerdings auch.

Klar, denken viele "Wie schwer oder aufwendig kann es denn sein, ein 3 Min.-Lied aufzunehmen?" und unterschätzen, was für ein langer Prozess dahintersteckt: Studiokosten, Mix, Mastering, Pressung, Promo-Arbeiten usw.; anders gefragt: Wie schwer kann es denn sein, einen Kinofilm zu drehen? Mittlerweile haben ja Smartphone-Kameras doch auch fast schon kinoreife Qualität?

Musiker zu sein und damit einen ordentlichen Lebensunterhalt zu bestreiten schließt sich nicht aus. Deswegen sollte ein Musikschaffender mit seiner Kunst Geld verdienen können, wobei man dafür zumeist durchs Feuer gehen muss.

"Musik? Mensch, mach doch mal was Richtiges mit deinem Leben!"

Uff. Da reißt man sich den Allerwertesten auf, hat den Masterplan, die Disziplin, die Songs, die Spielerfahrung und dann kommt sowas…

Wenn Fremde sowas im Vorbeigehen hinrotzen – geschenkt! Aber anders sieht es aus, wenn die Eltern, die Verwandten oder der nähere Freundeskreis diesen Satz aussprechen. Wenn man nicht gerade ein total dickes Fell hat, dann kann das schon ein ziemlicher Dämpfer sein.

Niemand kann die Zukunft vorhersehen und was vielleicht sein oder nicht sein könnte. Ob du nach der nächsten Single weltweit durchstartest oder nach 10 Jahren immer noch vor fünf Leuten spielst – das kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand mit Bestimmtheit sagen. Klar ist, dass man ziemlich viele musikalische sowie nichtmusikalische Skills mit auf den Weg nimmt und falls es wider Willen nicht zur Rockstar-Karriere reicht, gibt es ernsthafte Alternativen im Business.

Nichtsdestotrotz ist obengenannter Satz nicht gerade ein Zeichen von Zuspruch und Motivation, den man von nahestehenden Menschen hören möchte. Nicht falsch verstehen: grundlose Lobhudeleien bringen dir ebenfalls nichts, aber hinter jeder Erfolgsgeschichte stecken auch Freunde und Verwandte, die mit ihrem seelischen Support dafür mitgesorgt haben, dass es zum Durchbruch gereicht hat.

Gibt es Sprüche, die du nicht mehr hören kannst? Schreib's in die Kommentare!

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