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Unbequeme Wahrheiten

Diese fünf Dinge sollten Newcomer über das Musikbusiness wissen

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 06.04.2018

musikbusiness berufswelt

Diese fünf Dinge sollten Newcomer über das Musikbusiness wissen

Was Newcomer über das Musikbusiness wissen sollten. © artisticco / 123RF

Du hast dich also für eine Karriere im Musikbusiness entschieden. Es gibt wohl nur wenige Industriezweige, über die es so viele Legenden, märchenhafte Erfolgsgeschichten oder Oden an das grandiose Scheitern gibt. Wie immer liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte. Wir nennen ein paar Punkte, die du in jedem Fall wissen solltest.

Es ist egal, ob du vor oder hinter der Bühne tätig bist oder sein wirst – du kannst dich darauf gefasst machen, dass dies kein einfacher nine-to-five-Job mit jederzeit geregelten Arbeitszeiten sein wird:

Viele Arbeitsmöglichkeiten in der Industrie sind eher kreativer, andere wiederum geschäftsorientierter Art. Gerade im erstgenannten Bereich verschieben sich die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit ganz schnell und das dürfte nicht Jedermanns Sache sein. Dazu kommt, dass eine Unmenge an Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen als Selbstverständlichkeit erachtet werden. Nicht immer erfolgt dabei eine unmittelbare Anerkennung, die das eigene Ego sogleich aufplustert.

Diese Tatsachen hast du dir reiflich durch den Kopf gehen lassen und den Entschluss gefasst, dich ins Musikbusiness zu stürzen?

Bevor du mit dem Bauen deiner Luftschlösser beginnst, solltest du einige durchaus unbequeme Wahrheiten genauer inspizieren, um deinen Schlössern ein festes Fundament zu verpassen. Denn wer seine Zukunftsplanung auf Basis von Anekdoten, Klischees und oberflächlichen Eindrücken zusammensetzt, wird früher oder später ein bitteres Erwachen erleben. Im Folgenden gehen wir auf ein paar dieser Dinge ein.

1. Besinne dich auf deine Kernkompetenzen

Heutzutage ist die Aktivität auf Social Media unabdinglich und definitiv ein essentielles Werkzeug, um zu netzwerken, mit deiner Fanbasis in Kontakt zu bleiben und Zuhörer langfristig zu binden. Social Media kann sich aber durchaus auch zu einer Ablenkung entwickeln. Gerade am Anfang, wenn man kein großes Team hinter sich hat, kann es schnell von deinem eigentlichen Job wegführen: Musik zu machen. Deswegen solltest du zwar auf dein Online-Marketing setzen, deine Prioritäten jedoch weiter konsequent verfolgen.

Vernachlässige nicht die Kernessenz deiner Musikkarriere zugunsten des Befüllens von zig Social-Media-Präsenzen. Eine Strategie zu fahren ist nicht verkehrt, aber man muss auch keine Wissenschaft daraus machen. Sei einfach du selbst und probiere aus, was zu dir passt. Vieles wird klappen und einiges schiefgehen. Am Ende geht es darum, gute Songs zu schreiben und Shows zu spielen. Follower, Software oder Gadgets können als Verpackung dienen, aber nicht mehr – zumindest nicht langfristig. Den Kern deiner Arbeit sollte daher Musik und nicht das Drumherum ausmachen.

2. Kopiere nicht das, was andere in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat

Du willst möglichst sofort einen großen Eindruck machen. Da wäre ein viraler Hit oder Marketingstunt eigentlich nicht verkehrt oder? Funktioniert ja gut genug und bringt so einige Bands ganz groß raus – und das ohne harte Arbeit, wie es scheint! Im heutigen Zeitalter gibt es so einige Aktionen, die Bands schlagartig berühmt gemacht haben. Nun… Als Inspiration ist dies alles schön und gut, aber ihr Vorgehen ohne weiteres nachzuahmen, dürfte eher scheitern:

Bloß weil Band X die Aktion Y gemacht hat, muss es noch lange nicht heißen, dass das auch bei dir klappt. Die Formel für virale Verbreitung folgt keiner festen Logik und zumeist geht es darum, genau im richtigen Augenblick einen bestimmten Ton der Netzgemeinde zu treffen. Kalkulieren kann man den Erfolg oder Misserfolg aber leider nicht.

Ehe du also eine schlechte Kopie von irgendetwas zusammenzimmerst, solltest du dir überlegen, was dich einzigartig macht. Es gibt einfach kein Regelwerk darüber, wie man erfolgreich wird. Berühmte Erfolgsstorys funktionierten im damaligen Jetzt. Ob sie auch in der Zukunft für dich aufgehen, ist eher fraglich.

Vergangene Strategien und Aktionen zu analysieren ist dabei dennoch nützlich, denn so lernst du, woran andere gescheitert sind und kannst genau diese Fehler vermeiden. Je mehr du von anderen gelernt hast, umso schneller weißt du, ob dir irgendwelche windigen "Experten" schlichtweg realitätsferne Versprechungen machen. Im Zweifel kannst du also zumindest mit großer Selbstsicherheit "Nein" sagen!

3. "Musikwissen" heißt noch lange nicht, dass du das Business verstehst

Auch wenn du ein Virtuose am Instrument bist oder schon reichlich Studioerfahrung hast, gibt es Facetten und Aspekte des Alltagsgeschäfts, die sich erst nach Erfahrung erschließen.

Das fängt schon beim Touren an. Booking, Produktions-/Tourplanung, Tourmanager, Livemischer – nicht umsonst werden viele Tätigkeiten von verschiedenen Menschen übernommen. Des Weiteren gilt es, als Künstler die Beziehung zwischen Labels, Verlagen, Vertrieb und dem Einzelhandel zu verstehen, wenn man nicht blindlings irgendwelche Verträge unterschreiben möchte.

Gerade am Anfang muss man vieles selbst organisieren, hat kein Team um sich und ist auf den Rat und den Beistand von erfahrenen Leuten angewiesen. Das bedeutet also, dass ein enzyklopädisches Wissen von Labels, angesagten Produzenten oder Musikern ein sehr guter Anfang ist, dich aber nicht zum Experten macht. Das Gegenteil nach außen zu vermitteln, dürfte langfristig eher Türen zu- als aufmachen. So nimmst du dir auch die Chance, dich für neue Erfahrungen und Wissensbereiche zu öffnen.

4. Ruhe dich nicht auf kurzfristigen Erfolgen aus

Wenn alles gut läuft, bekommst du gute Rezensionen, lernst nette Leute kennen und hast einen sprichwörtlichen Fuß in der Tür. Das alles ist aber wenig wert, wenn du auf die Idee kommst, dass von nun an alles ein Selbstläufer ist. Vielen passiert das auch unterbewusst, weil man nach einer Zeit des ständigen Schaffens auch mal eine Auszeit braucht. Diese sollte man sich auch zugestehen, bevor es zu stressbedingten Symptomen führt. Nichtsdestotrotz ist viel Disziplin nötig, um danach wieder einzusteigen und weiterzumachen.

Hier sollte man ausnahmsweise auf Klischees hören: Die Konkurrenz schläft nie!

Gute Rezensionen, Leute die dir auf die Schulter klopfen oder nette Artikel über deine Musik – alles schön und gut, aber damit du auf dem Radar bleibst, musst du weitermachen und das nächste "Level" schon im Blick haben.

5. Am Ende ist es nicht ganz so schlimm, wie es sich einige ausmalen

Obwohl jeder von uns natürlich nach den Sternen greift, werden nicht alle ein Leben in Saus und Braus erreichen oder weltberühmt werden. Das mag ernüchternd klingen, ist aber die Wahrheit, die man hinnehmen sollte und muss.

Davon abgesehen ist es absolut möglich, seinen Lebensunterhalt mit konstanter Auftragslage zu verdienen und seiner Leidenschaft Musik parallel nachzugehen. Muss es ein Rockstar-Leben sein oder reicht auch "nur" ein Job hinter den Kulissen wie Livemischer, Studiotechniker, Mastering-Engineer oder Stagehand? Es gibt viele Musikjobs, mit denen du deine Rechnungen bezahlen kannst und hautnah dabei bist.

Auch hier sind Disziplin, Geduld und harte Arbeit ein Muss, aber es ist möglich!

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