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Statistiken zur hiesigen Kulturszene ernten Kritik

"Spartenbericht Musik": In Deutschland sind 128.000 Erwerbstätige in Musikberufen aktiv

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 13.04.2017

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"Spartenbericht Musik": In Deutschland sind 128.000 Erwerbstätige in Musikberufen aktiv

Die Kulturszene - das unbekannte Wesen?. © iStock

Nach dreijähriger Projektphase konnte das Statistische Bundesamt den "Spartenbericht Musik" fertigstellen, eine Untersuchung der Kulturszene in Deutschland. Der Deutsche Musikrat kritisiert die Ergebnisse.

Mit dem Ziel, den 2007 im Schlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" festgestellten Mangel an validen Daten aus dem Kulturbereich auszugleichen, beauftragten die Kultusministerkonferenz (KMK) sowie die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) das Statistische Bundesamt mit der Erstellung einer entsprechenden Statistik.

→ Diese liegt nun, nach dreijähriger Projektphase, als "Spartenbericht Musik" vor. 

Das Ziel dieses Pilotprojektes ist es, durch Analyse und Aufbereitung bereits bestehender amtlicher Daten sowie Sekundärstatistiken unterschiedlicher Verbände und Instituationen das breite Feld des Kulturbereichs möglichst homogen zu beschreiben. Gleichzeitig soll auf noch vorhandene Datenlücken hingewiesen werden.

Erwerbstätigkeit in der Musikbranche

Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehört, dass 2014 etwa 128.000 Erwerbstätige in Musikberufen aktiv waren.

Darunter fallen nicht nur einschlägige Berufe wie MusikerIn, SängerIn, DirigentIn, oder KomponistIn (69.000 Personen), sondern auch die Beschäftigung als Musikpädagogin oder -pädagoge (52.000 Personen) und Tätigkeiten im Musikinstrumentenbau (7000 Personen).

Die meisten Erwerbstätigen in diesen Kategorien waren selbstständig tätig (58%).

Im Bereich der Laienmusik zählt zu den vorrangigen Erkenntnissen, dass insgesamt knapp 3 Millionen Aktive in Laienchören und -ensembles sowie Instrumentalgruppen organisiert sind. Von diesen 3 Millionen Musizierenden sind etwa zwei Millionen in Verbänden organisiert, etwa 500.000 in evangelischen Chören sowie Instrumentalgruppen und knapp 400.000 in ihren katholischen Pendants.

Umsatzstrukturen

Aus den weiteren erhobenen Daten ergab sich beispielsweise, dass öffentliche Orchester und Musiktheater in der Spielzeit 2013/2014 über 21.000 Veranstaltungen organisierten. Die Höhe ihrer (ermittelbaren) Einnahmen lag im Rechnungsjahr 2013 bei rund 3,2 Milliarden Euro, während die Förderungen durch öffentliche Haushalte im gleichen Jahr bei etwa 3,5 Milliarden Euro lag.

Die Umsätze der Musikwirtschaft hingegen beliefen sich im Jahr 2011 auf etwa 7,1 Milliarden Euro. Beteiligt an diesen Umsätzen waren insgesamt fast 35.200 registrierte, umsatzsteuerpflichtige Unternehmen und Selbstständige.

Dominiert wird die Musikwirtschaft vom Segment der selbstständigen Komponistinnen und Komponisten (8886 Unternehmen und Selbstständige, also fast ein Viertel) sowie dem Wirtschaftszweig Orchester, Kapellen, Chöre und Ballettgruppen (6363 Unternehmen, also etwa 18%).

Am umsatzstärksten zeigten sich insbesondere Theater- und Konzertveranstaltungsunternehmen mit insgesamt knapp ein Viertel des Umsatzes.

Postwendende Kritik vom DMR

Bereits kurz nach dem Erscheinen des Spartenberichts Musik wurde dieser vom Deutschen Musikrat hinsichtlich des Mangels an neuen Erkenntnissen kritisiert, auch wenn der Musikrat die grundsätzliche Intention der BKM und der KMK begrüßt.

Problematisch sei laut Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Muskrates, beispielsweise, dass "längst bekannte Schwachstellen, wie zum Beispiel der Fachlehrermangel und Ausfall von Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen", sich nicht aus dem Bericht herauslesen ließen.

In dieser Hinsicht besäßen die Daten des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ), einer Einrichtung des Deutschen Musikrates, einen wesentlich höheren Aussagewert. In öffentlichen Äußerungen zeigte sich die Pressestelle des Statistischen Bundesamtes jedoch konstruktiv: Man habe die Kritik wahrgenommen und werde die konstruktive Zusammenarbeit mit dem MIZ fortführen.

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