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Keine langfristige Sicherheit

Spotify erwirtschaftet erstmals Profit, doch die Börse bleibt skeptisch

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 15.11.2018

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Spotify erwirtschaftet erstmals Profit, doch die Börse bleibt skeptisch

Spotify-Gründer Daniel Ek beim Investor Day im März 2018. © Spotify

Spotify konnte in seinem Finanzbericht für das dritte Quartal 2018 erstmal in seiner zehnjährigen Existenz Profite vermelden - die Aktie des Streamingdienstes fällt jedoch weiterhin. Was ist los im Lager der Schweden?

Nach dem Börsengang Spotifys im April 2018 erlebte die Aktie der Streaming-Plattform zuerst einen Aufschwung. Ihr Spitzenwert an der Börse im Juni lag bei 35,3 Milliarden Dollar. Doch seitdem sinkt die Aktie stetig, Analysten und Investoren scheinen kritisch: der Börsenwert von SPOT lag am 12. November bei nur noch 23,8 Milliarden Dollar.

Das P-Wort

Einer der Hauptgründe für Spotifys Wertverlust an der Börse dürften erneut Zweifel an der langfristigen Profitabilität des Unternehmens sein. In seinem Bericht für das dritte Quartal 2018 vermeldete Spotify zwar erstmals schwarze Zahlen (43 Millionen Dollar Profit) – doch ist dies für den Streamingdienst kein Grund zur Freude.

Dass das schwedische Unternehmen im vergangenen Quartal erstmals profitabel operieren konnte, liegt zum einen an einem einmaligen Steuergewinn in Höhe von 125 Millionen Euro, den Spotify im Zusammenhang mit seiner Tencent-Kooperation verbuchen konnte.

Zum anderen hängen die gestiegenen Profite zusammen mit einem gesunkenen Betriebsverlust, der wiederum maßgeblich durch gesunkene Personalausgaben bedingt wird. Laut Spotify-CEO Daniel Ek war dies jedoch nicht geplant; Man habe vielmehr die offenen Stellen, gerade im Bereich Research & Development, nicht wie geplant besetzen können.

Beliebt, aber arm

Die prekäre Lage Spotifys scheint im ersten Moment widersprüchlich, da das Unternehmen den weltweiten Streaming-Sektor mit 36% Marktanteil noch immer dominiert – Tendenz steigend:

Die Grafik zeigt den Marktanteil der größten Musikstreaming-Dienste weltweit in der 1. Jahreshälfte 2018

Die Grafik zeigt den Marktanteil der größten Musikstreaming-Dienste weltweit in der 1. Jahreshälfte 2018, © Statista (https://de.statista.com/infografik/15978/weltweite-marktantaile-musikstreaming/)

Problematisch ist jedoch, dass die Einnahmen durch Abo-Gebühren zu einem großen Teil von den nach wie vor horrenden Lizenzkosten, die Spotify an die Labels bezahlen muss. Auf Dauer muss der Streaming-Dienst also Einnahmequellen abseits der Abo-Beiträge finden.

"Freemium" auch bei Analytics

Als ersten Vorstoß in diese Richtung erweitert Spotify ab sofort seine Analytics-Funktionen. Bisher können Künstler mit dieser Funktion zahlreiche Statistiken abrufen, die insbesondere für Marketing-Zwecke interessant sind. Nun wurde die Funktion auch für Publisher erweitert. Auch diese können mit Analytics ab sofort wertvolle Informationen über die Songs ihrer Kunden erhalten.

Dies ist insofern bedeutsam, als Spotify kürzlich bekannt gab, solche Dienste in Zukunft zumindest teilweise kostenpflichtig anbieten zu wollen.

Außerdem will das schwedische Unternehmen Podcasts eine stärkere Präsenz auf der eigenen Plattform einräumen. Erste Versuche mit verschiedenen Podcastern (und verschiedenen Bezahlmodellen) wurden bereits gestartet. Podcasts sind dadurch, dass sie nicht von (Major-)Labels vertrieben werden, deutlich günstiger (und profitabler) für Spotify als Musik.

Weiter wachsen

Parallel dazu schafft Spotify natürlich weiterhin Anreize, um das Nutzerwachstum konstant zu halten – mit einem kostanten Blick in Richtung der Konversionsrate (kostenloser Nutzer zu Abonnent).

Mit der neuen Funktion für Künstler und Künstlerinnen, ihre eigene Musik direkt und ohne Label auf Spotify zu veröffentlichen, vereint das Unternehmen beide Bestrebungen: Die Reichweite Spotifys und die Potenzierung der Reichweite durch die Möglichkeit, eigene Songs für populäre Playlists vorschlagen zu lassen, dürfte ein starker Anreiz sein. Um das neue Upload-Feature zu nutzen, ist jedoch ein Abonnement von Nöten.

Weiterhin versucht Spotify sicherzustellen, dass bestehende Abonnenten wenn möglich auch den vollen Abo-Preis bezahlen, und nicht etwa unberechtigterweise Vergünstigungen (z.B. Familien- oder Studententarife) erhalten. 

Ungewisse Zukunft

Die Frage, inwiefern diese Maßnahmen zu einem nachhaltigen Plus führen können, kann wohl nur die Zeit beantworten. Fest steht nur, dass Spotify – trotz seiner Popularität – langfristig nicht ohne ein sicheres Geschäftsmodell überleben kann.

Während Konkurrenten wie Apple Music durch den anhaltenden Erfolg von Apple finanzielle Sicherheit genießt, muss Spotify um diese kämpfen. Bevor sie nicht erreicht ist, werden sich wohl auch die Investoren nicht überzeugen lassen.

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