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Spotify Wrapped – Der Jahresrückblick erzeugt Begeisterung und sorgt für Kritik
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© Cottonbro Studio
Seit 2016 präsentiert Spotify seinen Nutzer*innen zwischen Ende November und Anfang Dezember einen persönlichen Rückblick auf ihr Streamingverhalten unter dem Titel Spotify Wrapped.
Mit der Top 5 der meistgehörten Künstler*innen und Songs, aber auch durch Playlists mit den 100 meistgestreamten Tracks hat Spotify um Wrapped eine erfolgreiche Marketingkampagne etabliert, die jährlich in den sozialen Medien geteilt und zelebriert wird.
Globale Charts 2024
Neben den individuellen Statistiken veröffentlicht der schwedische Streamingdienst auch einen globalen Rückblick. In diesem Jahr dominieren Taylor Swift, The Weeknd und Bad Bunny die weltweiten Rankings. Auch Drake, Billie Eilish und Travis Scott befinden sich unter den Top 10 der meistgestreamten Künstler*innen.
Der meistgestreamte Song des Jahres stammt von Sabrina Carpenter: "Espresso" landet auf Platz 1, gefolgt von Benson Boones "Beautiful Things" und Billie Eilishs "Birds of a Feather". Auch "Lose Control" von Teddy Swims und "Cruel Summer" von Taylor Swift schafften es in die Top 10.
Ein bisschen anders fällt die Zusammensetzung der "Most Viral Songs" aus. Hier führt "Die With A Smile" von Lady Gaga und Bruno Mars, gefolgt von Billie Eilishs "Birds of a Feather" und Benson Boones "Beautiful Things". Chappell Roans "Good Luck, Babe!" schafft es in dieser Liste auf Platz 5, während es in den meistgestreamten Top 10 Hits nicht vertreten ist.
Bei den Alben setzten sich unter anderem Taylor Swifts "The Tortured Poets Department: The Anthology" und Billie Eilishs "Hit Me Hard And Soft" durch. Sabrina Carpenters "Short n' Sweet" , "Mañana Será Bonito" von Karol G und "Eternal Sunshine" von Ariana Grande ergänzen die Top 5.
Kritik an Spotify: Niedrige Tantiemen und problematische Praktiken
Während sich Spotify Wrapped vielerseits großer Beliebtheit erfreut, hagelt es jedoch auch Kritik, die vornehmlich von Musikerinnen und Musikern sowie deren Organisationen ausgeht.
So nutzte etwa die Organisation UMAW (United Musicians and Allied Workers) den Zeitpunkt um – mit einem Beitrag im Wrapped-Design – darauf hinzuweisen, dass Spotify "den Bedürfnissen der Künstler*innen nicht gerecht wird".
Unter anderem erinnert die UMAW daran, dass Spotify in diesem Jahr einen großen Teil der auf der Plattform vertretenen Songs demonitarisiert hat. Seit dem 1. April werden nur noch Songs die mindestens 1000 Streams von 50 unterschiedlichen Usern erhalten vergütet.
Allgemein falle die Vergütung mit gerade einmal 0,003 US-Dollar (andere Quellen berufen sich u.a. auf 0,004 US-Dollar) per Stream zu gering aus, während Spotify-CEO Daniel Ek 2,5 Milliarden Mal mehr als die durchschnittlichen Musiker*innen verdiene.
Weiter kritisiert die UMAW, dass Spotify immer mehr auf KI-Tools statt Arbeitskräfte setze und seine Gewinne zur Unterstützung von Rüstungsunternehmen verwende. Auch stößt der Organisation auf, dass Daniel Ek in diesem Jahr erklärt hat, die Kosten für die Herstellung von Musik (in seinen Worten: "Content") betrügen "nahe Null".
Nachhaltigkeit und fairer Konsum: Alternativen zum Streaming
Der Plattenladen Suffragette Records hat es der UMAW gleichgetan und ebenfalls einen an den Wrapped-Rückblick angelehnten Beitrag veröffentlicht. Darin heißt es:
"Es ist wieder soweit. Ein guter Moment, um über unseren Konsum nachzudenken und darüber, wie wir die Künstler*innen, die die Musik machen, die wir am meisten lieben, am besten unterstützen können".
Auch Suffragette Records kritisiert die geringen Tantiemenausschüttungen. Laut Suffragette Records benötigen Künstler*innen in Australien mindestens 590.000 Streams im Monat, um den Mindestlohn zu verdienen.
Weiter spricht der Plattenladen die Umweltbilanz von Streaming an und verweist auf Vinyl und CD als teilweise umweltfreundlichere Alternative. Suffragette Records ruft Musikliebhaber weiterhin dazu auf, Künstler*innen nicht nur durch Streaming, sondern auch durch den Kauf von physischen Medien und Merchandise zu unterstützen.
"Wenn du ein Album im Verlauf deines gesamten Lebens mehr als 17 Stunden streamst, ist Vinyl die umweltfreundlichere Option. Schallplatten sind langlebig und können über Generationen weitergegeben werden. Schon 5 Stunden Streaming erzeugen genauso viel CO2 wie die Produktion einer CD. Kaufe deine Favoriten."
Reflexion statt Schuldgefühle
In den Kommentaren findet sich jedoch nicht nur Zustimmung. Eine Nutzerin etwa verteidigt Streaming und befürwortet das Ganze mit einem weniger schwarz-weißen Blick zu betrachten:
"Streaming ist eine großartige Möglichkeit, Künstler:innen zu entdecken, die man mag, und dann physische Medien zu kaufen, wenn sie welche anbieten. Einige Künstler*innen verkaufen jedoch keine physischen Tonträger, sodass Streaming die einzige Option bleibt. Außerdem ist es doch ziemlich klassizistisch, Menschen, die sich keine physischen Medien leisten können, ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie Musik per Streaming hören. Die meisten können sich weder Schallplatten noch CDs für alle Künstler*innen leisten, die sie mögen. Das ist unglaublich teuer. Ich habe das Glück, eine Sammlung zu besitzen, aber selbst ich kann mir nicht von jeder Künstler*in physische Medien leisten. Meine Wunschliste ist etwa viermal so groß wie meine Sammlung."
Dennoch bietet der Jahresrückblick eine gute Gelegenheit, das eigene Musikkonsumverhalten zu reflektieren. Wer sich an dieser Stelle selbst ein Bild davon machen möchte, wie viel Einkünfte die persönlichen Lieblingskünstler*innen durch das eigene Hörverhalten gemacht haben, kann dafür nun auf den sogenannten Spotify Unwrapped-Rechner zurückgreifen.
Nachdem man das entsprechende Abonnement-Modell, die Anzahl an Streams und die Minuten, die man damit verbracht hat bestimmte Künstler*innen zu hören, angegeben hat, wirft der Rechner eine Summe aus, die allerdings nur eine grobe Orientierung darstellt.
Das liegt daran, dass das Auszahlungsmodell Spotifys nicht in seiner gesamten Komplexität nachempfunden werden kann, zumal es nur Insidern im Detail bekannt ist. Eine gewisse Einschätzung der Realität bietet der Rechner dennoch, da er verdeutlicht, dass ein Kauf einer einzigen Schallplatte, einer CD oder eines Merchandise-Produkts einem Künstler oder einer Künstlerin mehr einbringt, als der Superfan-Status auf Spotify.
Spotify Wrapped bietet daher nicht nur einen geeigneten Anlass, um das Jahr noch einmal musikalisch Revue passieren zu lassen und sich mit den eigenen Freund*innen über seine Lieblingsmusik auszutauschen, sondern regt auch dazu an für sich selbst die Frage zu beantworten: "Welche Künstler*innen habe ich 2024 am meisten gestreamt und wie kann ich sie mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, außerhalb von Spotify unterstützen?"
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