Jahresbilanz mit Fragezeichen
Spotify zahlte 2024 über 480 Mio. Euro an deutsche Künstlerinnen und Künstler – Schattenseiten bleiben
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© Cottonbro Studio
Mitte März 2025 veröffentlichte Spotify den aktuellen "Loud & Clear"-Bericht, zu dem zusätzlich am 21. Mai Zahlen für die jeweiligen Länder veröffentlicht wurden, darunter auch für den deutschen Markt und deutsche Künstler*innen.
Wichtig bei den folgenden Aussagen ist, dass Spotify in der Regel nicht direkt an Künstlerinnen und Künstler auszahlt, sondern an Lizenzpartner, die wiederum einen Betrag an Musikschaffende ausschütten. Der Vereinfachung halber wurde dieser Prozess im folgenden Artikel sprachlich "Lizenzzahlungen an Künstler" genannt.
Anstieg übertrifft die Industrieentwicklung
Im Jahr 2024 lagen die Lizenzzahlungen an deutsche Künstlerinnen und Künstler bei über 480 Mio. Euro, was ein Anstieg um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist. Damit werden sowohl die Anstiege beim gesamten deutschen Musikmarkt (7,8 Prozent) als auch im Streaming-Bereich (laut BVMI 12,6 Prozent) übertroffen.
Das Wachstum bei den Lizenzzahlungen lag bei 17 Prozent gegenüber dem Jahr 2023. Auf mehr als einer Milliarde Nutzerplaylists des schwedischen Streaminganbieters sind deutsche Künstler*innen zu finden.
Hoher Anteil "unabhängiger Künstler"
An heimische Künstler*innen gingen fast 40 Prozent der im deutschen Markt generierten Lizenzzahlungen. Die mit deutschsprachiger Musik generierten Lizenzzahlungen stiegen um 18 Prozent gegenüber dem Jahr 2023, während der Anstieg sich gegenüber 2020 mehr als verdoppelt hat. Beliebte Genres waren Deutschrap, Dance, Pop und EDM.
Bei der Einkommensentwicklung wurde die steigende Tendenz fortgeführt; die Zahl der Musikschaffenden in Deutschland, denen Spotify über 50.000 Euro an Lizenzzahlungen auszahlte, hat sich zwischen 2018 und 2024 mehr als verfünffacht, die Zahl derjenigen, die mehr als 100.000 Euro erwirtschafteten, hat sich seit 2018 fast vervierfacht.
Unabhängige profitieren – und leiden
Laut dem Streaminganbieter gingen über 50 Prozent der Lizenzzahlungen an unabhängige Künstler*innen und Labels. Auf Nachfrage erklärt Spotify dazu zählten "alle Lizenzzahlungen, die von Aufnahmen unabhängiger Labels, selbstvermarkteter Künstler*innen und Künstler*innen von Indie-Labels erzielt wurden".
Wir nahmen diese Hervorhebung von Indie-Künstlern zum Anlass Spotify folgende Frage zu stellen:
"Die berüchtigte und oft kritisierte 1.000-Stream-Grenze sorgt dafür, dass gerade kleine Künstler Einnahmen verlieren. Wäre es nicht im Sinn dieser kleinen Acts, diese Grenze wieder abzuschaffen?"
Daraufhin erhielten wir folgende Antwort:
"Die Lizenzzahlungen von Spotify an die Musikindustrie wachsen kontinuierlich. Spotify möchte sicherstellen, dass diese Gelder vor allem aufstrebende und professionelle Künstler*innen erreichen, die maßgeblich zum Erfolg der Plattform beitragen. Aus diesem Grund hat Spotify in enger Zusammenarbeit mit Branchenpartner*innen neue Richtlinien entwickelt und diese Anfang 2024 eingeführt, darunter die 1.000-Stream-Grenze.
Und weiter:
Diese Maßnahmen dienen dazu:
- Künstliches Streaming weiter einzudämmen.
- Kleine Auszahlungen, die Künstler*innen oft nicht erreichen, besser zu verteilen.
- Personen einzuschränken, die versuchen, das System zu manipulieren.
Obwohl diese Probleme nur einen geringen Prozentsatz der gesamten Streams ausmachen, können wir durch ihre Behebung in den nächsten fünf Jahren etwa 1 Milliarde US-Dollar an zusätzlichen Einnahmen für aufstrebende und professionelle Künstler*innen generieren."
Aus dieser Antwort kann man ablesen, dass Spotify nicht willens ist, die 1.000 Stream-Grenze zu überdenken, da das Unternehmen Künstlerinnen und Künstler, die diese Grenze nicht erreichen, offensichtlich nicht als "aufstrebend und professionell" wahrnimmt und zudem in Frage stellt, dass sie zum Erfolg der Plattform beitragen.
Deutsche Musik weltweit im Umlauf
Weltweit wurde 6,9 Mrd. Mal Musik von deutschen Künstler*innen auf Spotify entdeckt, die insgesamt rund 17 Mio. Stunden gehört wurde. Auf 1,48 Mrd. Playlisten, die von Spotify-Nutzern erstellt wurden, ist Musik von deutschen Künstler*innen zu finden. Davon stammen 302 Mio. von amerikanischen Nutzern und 246 Mio. von deutschen Nutzern.
Conny Zhang, Head of Music Central Europe bei Spotify, sagt zu den Ergebnissen:
"Das beeindruckende Wachstum zeigt, wie erfolgreich Künstler*innen in Deutschland das Streaming für sich nutzen. Besonders freut uns, dass so viele unterschiedliche Acts weltweit über Spotify entdeckt werden, neue Hörer*innen gewinnen und ihre Musik nachhaltig monetarisieren können – genreübergreifend und über Sprachgrenzen hinweg."
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