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Vorsitzender der LiveKomm

Live-Komm Vorsitzender Mankel Brinkmann über Maßnahmen zur Stärkung der Clubkultur und die Kölner Live-Szene

Interview von Daniel Nagel
veröffentlicht am 09.04.2025

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Live-Komm Vorsitzender Mankel Brinkmann über Maßnahmen zur Stärkung der Clubkultur und die Kölner Live-Szene

Mankel Brinkmann, Vorsitzender der LiveKomm (2025). © Jonas Hellmann

Seit Oktober 2024 ist Mankel Brinkmann Vorsitzender der LiveKomm. Im Interview spricht er über Strategien, um die deutsche Clubszene zu stärken, die Vielseitigkeit der Kölner Clubszene und warum er dennoch manchmal neidisch nach Düsseldorf blickt.

Backstage PRO: Mankel, bevor du Vorsitzender der LiveKomm wurdest, warst du lange in der Kölner Liveszene aktiv. Kannst du kurz zusammenfassen, wie deine Karriere verlaufen ist?

Mankel Brinkmann: Ich bin von Haus aus Regionalwissenschaftler und habe mit Freundinnen und Freunden während meines Studiums Veranstaltungen organisiert. Wir haben dann relativ bald nach Abschluss des Studiums den Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln eröffnet, den es auch heute noch gibt. Er feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Jubiläum.

Backstage PRO: Bist du dort auch noch aktiv?

Mankel Brinkmann: Ja. Den Club Bahnhof Ehrenfeld betreibe ich weiterhin als einer der Mitgründer. 2016 haben wir die Agentur Hush Hush gegründet, die Veranstaltungen außerhalb des Clubs organisiert. Wir veranstalten in Köln und Umgebung einige kleine Festivals und arbeiten sehr viel mit Künstlerinnen und Künstlern zusammen.

Backstage PRO: Wann hast du damit begonnen, dich für die Interessen der Clubszene zu engagieren?

Mankel Brinkmann: Auf kommunaler Ebene ging das relativ schnell. Seit 2016 bin ich ununterbrochen im Vorstand der Klubkomm, dem Clubnetzwerk der Stadt Köln. Zur LiveKomm bin ich während der Corona-Pandemie gekommen und habe mich dort in den Vorstand wählen lassen. Damit begann mein verbandspolitisches Engagement auf Bundesebene. Seit November bin ich Erster Vorsitzender der LiveKomm. Ich bin fest davon überzeugt, dass Verbandsarbeit sehr wichtig ist, um konkrete Verbesserungen für die Branche erreichen zu können. Deswegen engagiere ich mich auf Bundesebene, aber auch weiterhin kommunal.

Backstage PRO: Wie kam es dazu, dass du Vorsitzender der LiveKomm wurdest?

Mankel Brinkmann: Die einfachste Antwort: ich bin gewählt worden. Ich finde, es ist in Verbänden wichtig, dass Wechsel stattfinden und die gleichen Personen nicht zu lange in ihren Positionen sitzen. Themen ändern sich schnell und man braucht Input von jüngeren Personen, aber es sollte auch weiterhin demokratisch bleiben. Deswegen habe ich nach vier Jahren nicht wieder für das Amt der Klubkomm-Vorsitz kandidiert. Bei der LiveKomm war es so, dass Axel Ballreich frühzeitig signalisiert hat, dass er nicht länger das Amt des Vorsitzenden bekleiden möchte. Also habe ich mich entschieden zu kandidieren, und bin froh, von der Mitgliederversammlung gewählt worden zu sein, in einer nicht ganz so einfachen Zeit mit einigen Herausforderungen.

Backstage PRO: Was betrachtest Du als deine Hauptaufgaben als Vorsitzender?

Mankel Brinkmann: Meine Hauptaufgabe ist es, gemeinsam mit dem geschäftsführenden und erweiterten Vorstand dafür zu sorgen, dass die LiveKomm weiterhin eine starke Stimme für die Clubkultur bleibt. Da wir hinsichtlich der finanziellen Ressourcen eher einer der kleineren Verbände der Musiklandschaft sind, ist unsere Arbeit sehr stark durch das Ehrenamt geprägt. Wir verfügen aber über eine professionelle Struktur, unsere Geschäftsstelle wird von Christian Ordon geleitet. Daher ist es wichtig, dass die Geschäftsstelle auch einen aktiven Vorstand an der Seite hat und die Leute ihr Ehrenamt ernst nehmen. 

Backstage PRO: Du bist vermutlich einer der Personen, die den besten Überblick über die Liveszene deutschlandweit haben. Wie fällt deine Beurteilung aus?

Mankel Brinkmann: Ich bin viel im Gespräch mit Spielstätten unterschiedlicher Größen, und ich finde, man kann nicht alle Spielstätten über einen Kamm scheren. Man kann aber mit Recht sagen, dass Clubs, Musikspielstätten und Festivalveranstalter aufgrund von zwei Jahren Inaktivität während der Pandemie besonders stark an verschiedenen Entwicklungen leiden. Als es wieder losging, mussten viele Betriebe von vorne anfangen, weil die Personaldecke nicht mehr vorhanden war und die Strukturen neu aufgebaut werden mussten. Zudem war die Clubbranche nie eine Branche, die aus hohen Gewinnen üppige Rücklagen bilden konnte – und da hat Corona natürlich sein Übriges getan. 

Backstage PRO: Welche Rolle spielt die Inflation?

Mankel Brinkmann: Die Preissteigerungen haben dazu geführt, dass der Kostendruck wirklich immens ist. Unser Ziel muss darin bestehen, dass die Spielstätten überleben und der Konzertbetrieb nicht ausgedünnt wird. Durch die Preissteigerungen ist es schwieriger geworden, Shows von Nachwuchsacts zu veranstalten, sowohl für die Künstlerinnen und Künstler selbst, als auch für das Publikum, da auch die Ticketpreise gestiegen sind. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass der Spielraum der kommunalen Haushalte schrumpft, weil es auch dort Druck zum Sparen gibt. Wir müssen in den nächsten Jahren auf kommunaler, aber auch auf den übergeordneten Ebenen sehr deutlich um unsere Mittel kämpfen.

Backstage PRO: Kommunen haben sehr unterschiedlich auf die aktuell schwierige Finanzlage der Städte reagiert. In Berlin, Köln und München gab es Kürzungen in unterschiedlicher Höhe, während Hamburg sogar mehr in Clubs investiert. Wie stellt sich die Situation für dich dar?

Mankel Brinkmann: Ich finde, es ist schwierig zu sagen, es wird generell gekürzt – ganz im Gegenteil. Hamburg ist ein positives Beispiel, da wurde der Kulturhaushalt um 10 bis 11 Prozent aufgestockt. In Köln hat der Kulturhaushalt nicht so viel verloren wie zunächst befürchtet, wenngleich die Kürzungen für die Betroffenen natürlich dramatisch sind. Meine Überzeugung ist aber, dass in den kommenden Jahren natürlich weniger Geld in den Haushalten zur Verfügung steht – und dass man im Bereich der Kultur eben nicht das einsparen kann, was man sich in anderen Bereichen als Ziel gesetzt hat. Das gilt auch für elementare Bestandteile, die für unsere Gesellschaft wichtig sind, wie Soziales oder Jugendarbeit. Es ist nicht so, dass die Clubkultur immer am Topf von Förderungen gehangen hat. Aufgrund der Situation nach der Pandemie müssen wir uns aber die Frage stellen, ob Clubkultur als elementarer Bestandteil einer kulturellen Infrastruktur nicht weiter eine öffentliche Aufgabe sein muss. Unsere Haltung ist klar: wir brauchen weiterhin mehr Fördermittel und beobachten mit Sorge die Entwicklung der kommunalen Haushalte. 

Backstage PRO: Bund und Länder haben in den letzten Jahren viele Förderprogramme neu aufgelegt, die es vorher nicht gab. Helfen diese Programme oder sind sie nur ein Tropfen auf dem heißen Stein? Müsste man es auch auf alle Bundesländer erweitern?

Mankel Brinkmann: Generell kann man nicht so allgemein darauf antworten, man muss in jeder Kommune und in jedem Land schauen, wie der Kulturhaushalt gestrickt ist. Es ist aber fraglos so – und das ist auch ein Erfolg der LiveKomm – dass Clubkultur mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert hat als noch in den 2000er und 2010er Jahren. Inzwischen wird über Clubs als Kulturinstitutionen gesprochen, auch wenn noch nicht der Stellenwert erreicht wurde, den wir uns wünschen. 

Backstage PRO: Was fehlt für die volle Anerkennung?

Mankel Brinkmann: Uns geht es um Gleichstellung. Unser Ziel besteht darin, dass mehr Fördermittel in der Clubkultur landen, ansonsten droht ein bedeutender Teil der kulturellen Infrastruktur verloren zu gehen. Über die Bundesrepublik verteilt gibt es viele tolle Programme, die auch helfen. Clubs benötigen einerseits Programmförderung, damit Nachwuchskünstler weiterhin auf den Bühnen spielen können. Da es für Clubs immer schwierig ist, Rücklagen zu bilden, fehlt auch das Geld für Investitionen - in diese Richtung muss man auch in den nächsten Jahren weiter denken.

Backstage PRO: Also brauchen wir mehr Investitionsprogramme, die den Clubs helfen, ihre Infrastruktur zu erneuern, da sie nicht in der Lage sind, das aus ihrem laufenden Betrieb zu finanzieren?

Mankel Brinkmann: Das ist eine sehr wichtige Diskussion, das merken wir ja aktuell auch auf Bundesebene. Das Sondervermögen für Infrastruktur kommt und ich finde es auch wichtig, dass verstärkt in unser Land und in unsere Infrastruktur investiert wird. Kultur ist eindeutig Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur, die wir uns leisten müssen. Gerade in Zeiten, in denen die Demokratie in Gefahr ist, können wir uns nicht erlauben, dass kulturelle Räume, in denen auch politische Positionen verhandelt und Statements gesetzt werden, wegrasiert werden und verschwinden. Deswegen müssen Mittel zur Investition in die Infrastruktur freigemacht werden. Das ist unsere klare politische Haltung.

Backstage PRO: Könnte der Live Music Fund nach britischem Vorbild eine Lösung darstellen, um dem Clubsterben entgegenzuwirken?

Mankel Brinkmann: Ich glaube, der Live Music Fund ist eine erstklassige Idee. Wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre anschaut, ist eindeutig, dass weiterhin ein großer Bedarf an Live-Musik und Live-Erlebnissen da ist. Und was wir beobachten ist, dass oft die Shows am besten laufen, die in einer bestimmten Größe stattfinden.

Backstage PRO: Aber ohne kleine Shows keine großen. 

Mankel Brinkmann: Eben. Zum Anfang ihrer Karriere müssen Künstler auch Erfahrungen sammeln, sodass wir überlegen, wie wir diese "Grassroots music venues", also Spielstätten, die Newcomern und jungen Acts eine Bühne bieten, stärken können und dafür sorgen, dass mehr dieser Spielstätten entstehen. Mich fasziniert am Live Music Fund, dass es ein brancheninternes Instrumentarium ist, in dem die großen Player ihrer Verantwortung für die kleineren Spielstätten gerecht werden können. Daher zählte der Live Music Fund auch zu unseren Forderungen im Vorfeld der Bundestagswahl.

Backstage PRO: Wie könnte der Live Music Fund in der Praxis funktionieren?

Mankel Brinkmann: Es wäre möglich, erst ab einer bestimmten Personenzahl eine freiwillige Abgabe auf den Ticketpreis zu erheben. Für ein solches Modell gibt es auch Vorbilder in anderen europäischen Staaten. Der Vorteil an einer solchen Lösung wäre die Freiwilligkeit: Der Staat müsste nicht regulierend eingreifen. 

Backstage PRO: Mit dem vorzeitigen Ende der Ampel haben zentrale Anliegen der LiveKomm auch ein vorläufiges Ende genommen wie die Reform der TA Lärm und der Baunutzungsverordnung. Kannst du uns kurz auf den aktuellen Stand bringen?

Mankel Brinkmann: Es gibt einen Entschließungsantrag des Bundestags, der inhaltlich besagt, dass die Baunutzungsverordnung und auch der TA Lärm im Hinblick auf Livemusik-Spielstätten geändert werden sollen. Leider ist das bis heute nicht erfolgt. Wir hoffen, dass die neue Bundesregierung diese Themen nochmal aufgreift. CDU, SPD und Grüne haben in ihren Wahlprogrammen das Ziel festgelegt, dass Clubs als Anlagen kultureller Zwecke anerkannt werden können, daher sind wir vorsichtig optimistisch. Wie die Umsetzung erfolgt, das müssen wir erstmal sehen. Wir als LiveKomm wollen jedenfalls weiter dafür kämpfen, das Thema ist noch nicht von unserer Agenda verschwunden, nur weil die Regierung zerbrochen ist.

Backstage PRO: Was ist noch auf der Agenda der LiveKomm auf Bundesebene?

Mankel Brinkmann: Für uns als LiveKomm und für viele Regionalverbände sind die momentanen gesellschaftlichen Herausforderungen wichtig. Konkret spreche ich hier vom Rechtsruck, den man auch an den Ergebnissen der Bundestagswahl ablesen kann. Wir glauben, dass der Rechtsruck nicht nur für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, sondern auch für unser Wirken als Musikspielstätten eine große Gefahr ist. Wir haben uns in den letzten Jahren mit vielen Themen beschäftigt, die insbesondere von der AfD als "woke" und "Gefahr" wahrgenommen werden. Darum haben wir große Sorge, dass es direkte Auswirkungen auf die Arbeit vieler Musikspielstätten in der freien Szene haben wird, wenn die AfD in den Kommunen noch stärker wird. Daher werden wir uns weiterhin einmischen. Darüber hinaus gibt es auch Themen, die auch Verbände aus anderen Branchen äußern. Wir wünschen uns einen Abbau der Bürokratie und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen - und dafür wird die neue Bundesregierung auch sorgen müssen. Clubs sind Wirtschaftsunternehmen und haben ganz viele Hindernisse, die auch andere Unternehmen in diesem Land haben.

Backstage PRO: Die Kölner Clubszene ist ja ausgesprochen vielfältig. Von außen hat man fast den Eindruck, dass Köln gerade boomt, und es auch eine der drei großen deutschen Konzertstädte ist. Täuscht dieser Eindruck?

Mankel Brinkmann: Ich glaube, das täuscht überhaupt nicht, ich erlebe die Clubszene persönlich als sehr vital, wir hatten auch in letzter Zeit Neueröffnungen von Clubs. Köln ist eine der jüngsten Großstädte, weshalb der Bedarf an Freizeitaktivitäten hoch ist, zu denen natürlich auch Clubbesuche gehören. Wir haben den Eindruck, dass die Kölner Clubs sehr gefragt sind, wenngleich sie die gleichen Probleme haben wie die in Berlin, Hamburg oder die Clubs im ländlichen Raum. Insgesamt habe ich in Köln das Gefühl, dass die Themen Clubs und Spielstätten in der Verwaltung und Politik sehr präsent sind, und man sich darum bemüht, dass nicht noch mehr Clubs schließen müssen. Wir hatten in den 2010er Jahren leider eine ganze Reihe an Club-Schließungen, die der Verdrängung durch Wohnraum zum Opfer gefallen sind.

Backstage PRO: Wie versucht die Stadt dem entgegenzuwirken?

Mankel Brinkmann: In Köln gibt es zum Beispiel eine Schutzzone zur Sicherung der Clubkultur im Stadtbezirk Ehrenfeld, in der auch der Club Bahnhof Ehrenfeld liegt. Das ist ein spannendes Instrumentarium, das auch Vorbildcharakter für andere Kommunen haben kann, weil in so einer Schutzzone keine Wohnbebauung an diese Clubs heranrücken darf. Hilfe für Clubs muss also nicht immer eine Erhöhung von Fördermitteln sein. Wir hatten auch Club-Neueröffnungen in den letzten Jahren, und ich bin positiv optimistisch, dass wir die Anzahl der Clubs halten können.

Backstage PRO: Worin bestehen die Defizite?

Mankel Brinkmann: Wir haben Probleme beim Erschließen neuer Flächen für Clubs und Festivals. Ein riesengroßes Manko unserer Stadt ist leider, dass wir nur sehr wenige Open-Air-Flächen haben, und keine, auf denen Großveranstaltungen stattfinden können. Es gibt auch Entschließungsanträge und Aufträge an die Verwaltung, aber eine Lösung gibt es noch nicht.

Backstage PRO: Düsseldorf hat jetzt gerade Großinvestitionen in diesem Bereich angekündigt.

Mankel Brinkmann: Ich sage das als Kölner: Manchmal schaue ich ein bisschen neidisch in die Nachbarschaft. Ich glaube, wenn wir über Open-Air-Flächen sprechen, passiert in Düsseldorf unheimlich viel. In diesem Jahr findet auf einem der bundesweit größten Flächen eine Show von AC/DC statt, das ist schon eine tolle Entwicklung. Ich finde, das zeigt, wie viel möglich ist, wenn eine Kommune anerkennt, dass Clubs, Festivals und Popkultur im Allgemeinen etwas bringen und für die Stadtbevölkerung attraktiv sind. Politische Rahmenbedingungen sind wichtig, dann können tolle Ergebnisse entstehen.

Backstage PRO: Die Kulturfabrik in Krefeld hat jüngst wegen finanziellen Problemen ein Crowdfunding gestartet. Als einen der Gründe nannten sie, dass die Partys nicht mehr funktionieren würden. Ist das ein Trend, den du auch anderswo beobachtest? 

Mankel Brinkmann: Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Oft handelt es sich auch um Momentaufnahmen. Direkt nach der Pandemie wurde vielen Läden die Bude eingerannt, egal welche Veranstaltung stattfand. Das hat natürlich etwas nachgelassen, nachdem dieser Nachholeffekt vorüber ist. Ich sehe auch weiterhin einen riesigen Bedarf, vor allem bei jungen Menschen. Man muss aber auch sagen: ein Clubbesuch ist teurer geworden als vor der Pandemie. Junge Menschen, die in der Ausbildung oder im Studium sind, können sich Clubbesuche vielleicht nicht mehr so oft leisten. Wir müssen uns als Branche den neuen Gegebenheiten anpassen. Persönlich bin ich fest davon überzeugt, dass man die heranwachsende Generation anders erreichen muss, als man es noch vor der Pandemie getan hat. Da unsere Branche sehr kreativ ist, bin ich auch optimistisch.

Backstage PRO: Partys sind ja ein ganz wichtiger Baustein der Clubfinanzierung.

Mankel Brinkmann: Richtig. Viele Läden haben vor der Pandemie ihr Konzertprogramm mit gut laufenden Party-Veranstaltungen subventioniert, und in dem Moment, in dem Party-Veranstaltungen nicht mehr so stark sind, hat das ganz eklatante Auswirkungen auf den Nachwuchs, der auf diesen Bühnen auftreten soll. Solchen Entwicklungen müssen wir mit passgenauen Förderprogrammen wie beispielsweise Live 500 der Initiative Musik entgegenwirken.

Backstage PRO: Die Kostensteigerungen haben ja auch inzwischen die Festivals erreicht. Wie siehst du die Lage?

Mankel Brinkmann: Ich glaube, da ist die Entwicklung ähnlich wie bei den großen Hallen. Große Festivals mit entsprechenden Budgets laufen weiterhin gut, was uns Sorgen bereitet, sind eher die kleineren Festivals, beispielsweise mit Kapazitäten von unter 10.000 Personen. Diese Festivals haben eine lange Zeit nur stattfinden können, weil ehrenamtliche Arbeit es getragen hat, und die sind ganz massiv von Kostensteigerungen betroffen. Preise für Veranstaltungstechnik und Bühnen sind durch die Decke geschossen, was uns Sorgen machen muss. Wenn viele kleine Festivals verschwinden, heißt es nicht, dass dafür kein Markt vorhanden ist, sondern dass die Ökonomie dahinter nicht mehr wirklich funktioniert. Deswegen ist es wichtig, dass insbesondere diese Festivals weiterhin unterstützt werden.

Backstage PRO: Vielen Dank für das Gespräch.

Unternehmen

Live Musik Kommission (LiveKomm)

Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.

Locations

Club Bahnhof Ehrenfeld

Club Bahnhof Ehrenfeld

Bartholomäus-Schink-Straße 65-67, 50825 Köln

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