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Sind unsere Clubs am Ende? Spannende Diskussion der Clubbetreiber in Mannheim

Review von Florian Endres
veröffentlicht am 04.11.2016

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Sind unsere Clubs am Ende? Spannende Diskussion der Clubbetreiber in Mannheim

Lieferten einen interessanten Austausch über das "Clubsterben" an konkreten Beispielen wie dem Schwimmbad Club (v.l.n.r.): Guy Dechandol, Soeren Gerhold, Daniel Nagel und Tiemo Feldmann. © Julian Kessler (SMC S. Fessler)

Immer wieder hört man den Begriff des "Clubsterbens": Der deutschen Clubszene, heißt es, ginge es nicht gut. So ist es nur konsequent, wenn der Verein EventKultur Rhein-Neckar zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Sind unsere Clubs am Ende?" einlädt.

Bevor die eigentliche Diskussion beginnt, stellt der Vorsitzende Felix Grädler (Interview, 2016), Geschäftsführer der halle02 in Heidelberg, kurz den Verein EventKultur Rhein-Neckar vor. 

Dieser Verein begreift sich als Interessensvertreter der Clubbetreiber und Veranstalter in der Rhein-Neckar-Region. Im Rahmen seiner Jahresversammlung hat er für den zweiten November zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Der provokante Titel an diesem Abend:

"Sind unsere Clubs am Ende?"

Zur Diskussion geladen sind Sören Gerhold, Geschäftsführer der Alten Feuerwache (Facts & Meinungen im Locationguide), Guy Dechandol, ehemaliger Geschäftsführer des Schwimmbad-Clubs in Heidelberg und Tiemo Feldmann vom Gleis4 in Frankenthal. Die Moderation übernimmt Daniel Nagel von Backstage PRO und regioactive.de.

Als Einstieg in das Thema dient eine Vorstellung der jeweiligen Clubs mit ihren jeweiligen Problemen. Schnell ist da der Einstieg gefunden, bestimmte Probleme im Kulturbetrieb anzusprechen.

Problematisch ist vor allem die Bürokratie

Ein wichtiges Problemfeld sind die immer strikter werdenden gesetzlichen Auflagen für Clubbetreiber und der wachsende bürokratische Aufwand – zuletzt unterstrich auch die LiveKomm öffentlich die Notwendigkeit besser passender Regelungen insbesondere im städtischen Bereich. Im schlimmsten Fall kann dies sonst das Ende eines Clubs bedeuten.

Das war beim Heidelberger Schwimmbad-Club der Fall. Dieser hätte für mehrere Millionen Euro saniert und umgebaut werden müssen, was eine Schließung von mindestens zweieinhalb Jahren bedeutet hätte. Der Betreiber Guy Dechandol entschloss sich daher dazu, den Club zu schließen.

Auch ein von der Stadt finanziertes Kulturzentrum wie die Alte Feuerwache hat mit der Bürokratie zu kämpfen: Nicht nur sind die gleichen Auflagen zu erfüllen. Es fallen auch städtische Berichtspflichten an, die enorme personelle und zeitliche Ressourcen verschlingen.

Das Publikum hat sich verändert – nur wie?

Dass das Publikum sich verändert hat, darin besteht weitestgehend Einigkeit unter den Clubbetreibern. Welche Veränderungen das sind, und wie man ihnen entgegen treten kann, darüber konnten sich die Diskutierenden jedoch nicht komplett einigen. 

So sieht Guy Dechandol das Problem z.B. darin, dass es aus der Mode gekommen sei, ohne Anlass auszugehen. Ein Club ziehe kein wirkliches Stammpublikum mehr an, da sich der Trend mehr zu einer Eventkultur hin bewege.

Andere Locations wie das Gleis4 versuchen darum, sich ein breites Publikum zu sichern, indem sie verschiedene Szenen und Nischen bedienen (Interview, 2014). Dies war auch jahrelang die Strategie der Alten Feuerwache. Doch es sei, so Sören Gerhold, auch zunehmend schwieriger geworden, Szenen anzulocken. Es gäbe einfach kein so starkes Szenebewusstsein mehr wie noch vor ein paar Jahren. Im Gegenzug habe der Publikumszuspruch bei Konzerten zugenommen.

Ein gemeinsamer Nenner

Es gibt nur einen Punkt, in dem Einigkeit herrscht: Die Feierkultur hat sich verändert. Studenten verbringen mehr Zeit in der Uni als früher, da viele der irrigen Meinung anhängen, ein möglichst schneller Abschluss sei erstrebenswert.

Daher feiern sie am Wochenende, aber kaum mehr unter der Woche. Bestensfalls treffen sie sich abends in Kneipen oder Bars, während Clubs und Partys mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen haben. Beliebt sind hingegen Veranstaltungen mit Eventcharakter, die auch in Städten fernab des Wohnortes dank des Internets leicht zu recherchieren sind.

Gleichzeitig ist die Konkurrenz zwischen privatwirtschaftlich betriebenen Clubs und mit öffentlichen Geldern finanzierten Veranstaltungen stärker geworden. Beispielsweise finden in den Sommermonaten zahlreiche kostenlose Open-Air-Konzerte statt, sei es nun Landesfeste, Stadtfeste oder Stadtteilfeste. Warum sollten Besucher für Bands zahlen, wenn sie sie auch kostenlos sehen können?

Wie also ist die Lage der Clubs?

Doch trotz der Vielzahl von Problemen, die mit dem Betreiben eines Clubs verbunden sind, können sich die Wenigsten vorstellen, damit aufzuhören. Die Frage, ob die Clubs am Ende sind, kann und möchte niemand mit einem eindeutigen "Ja" beantworten.

Die Zeiten, in denen man als Clubbetreiber viel Geld verdienen konnte, sind definitiv vorbei. Doch das heißt noch lange nicht, dass die aktuelle Clubszene die Flinte ins Korn werfen würde.

Es geht darum, innovativ zu sein und vor den neuen Entwicklungen nicht zu kapitulieren. Mit Durchhaltevermögen und auch der Unterstützung von Verbänden wie der EventKultur lassen sich sicherlich neue Wege aufzeigen sowie Problemfelder entschärfen.

Unternehmen

Live Musik Kommission (LiveKomm)

Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V.

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