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Ways to be different

"Subscription Fatigue": Was das Audiostreaming von Videoplattformen lernen kann (und sollte)

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 27.04.2019

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"Subscription Fatigue": Was das Audiostreaming von Videoplattformen lernen kann (und sollte)

Apple Music. © noyb

Eine Studie zum amerikanischen Medienkonsum zeigt, dass Amerikanerinnen und Amerikaner zunehmend frustriert sind von dem Überangebot der Videostreaming-Portale. Was können Audiostreaming-Plattformen daraus lernen?

Die 13. "Digital media trends survey" von Deloitte zeigt, dass Amerikanerinnen und Amerikaner im Durchschnitt drei Videostreaming-Dienste abonniert haben. Fast die Hälfte der Abonnentinnen und Abonnenten (47%) geben gleichzeitig an, dass sie genervt sind von der Notwendigkeit, mehrere Dienste zu abonnieren um zu sehen, was sie sehen möchten. 

Ermüdet

Wie Digital Music News feststellt, ist diese "Subscription Fatigue" – die Ermüdung durch zu viele Abonnements – insbesondere beim Videostreaming festzustellen. Bei Audio-Streaming tritt diese Ermüdung eher weniger auf; die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner haben laut Deloitte auch tatsächlich nur eine Musikplattform abonniert. 

Der Grund für diesen doch signifikanten Unterschied ist in erster Linie der Angebotsunterschied von Video- und Audioportalen: Wo Videoportale sich durch sehr diverse bzw. exklusive Kataloge auszeichnen (Game of Thrones gibt es nur auf HBO, Stranger Things nur auf Netflix, ...), bieten die meisten Musikstreaming-Dienste einen zumindest im Großen und Ganzen ähnlichen Katalog

Breitenwirkung

Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Zum einen gilt es insbesondere als Indie-KünstlerIn oder auch -Label, die "Subscription Fatigue" bei den eigenen Hörerinnen und Hörern möglichst zu umgehen.

Music Think Tank (MTT) schreibt, dass eine breite Masse an (unabhängigen) Streamingdiensten für unabhängige Künstlerinnen und Künstler diesen Acts letztlich nur schadet: Wie es am Beispiel der Videoplattformen zu sehen ist, ermüdet es Nutzerinnen und Nutzer, ihre Filme – wie auch ihre Musik – von zu vielen Quellen beziehen zu müssen: Ein zu großes Angebot schmälert letztlich die Breitenwirkung. 

Die Frage nach den Indies

Es bleibt jedoch fraglich, wie realistisch der Vorschlag von MTT, einen zentralen Indie-Streamingdienst mit fairen Entlohnungsmodellen ins Leben zu rufen und zu pflegen, tatsächlich ist.

Da Menschen bisher nicht gewillt scheinen, eine wirkliche Vielzahl von Streamingdiensten zu abonnieren, bleibt es auch fraglich, ob sie eine (zusätzliche) Indie-Plattform abonnieren würden – die höchstwahrscheinlich aus finanziellen Gründen keine Major-Kataloge lizenzieren kann. 

Dies wiederum macht nachdenklich, wie es um derzeit populäre, alternative Plattformen wie z.B. Patreon steht – wobei deren Weg, die monatlichen Kosten individuell von Nutzerinnen und Nutzern einstellen zu lassen, eventuell ein erfolgsversprechendes Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Content ist König

Auf der anderen Seite sollten sich auch große Musikstreaming-Dienste damit zurückhalten, allzu sehr auf eine content-abhängige Differenzierung zu setzen. Dies zeigten auch bereits erfolgte Versuche in diesem Bereich. 

Spotify, Apple Music und auch Tidal haben alle in der Vergangenheit das Konzept der "windowed"-Veröffentlichungen – Veröffentlichungen, die für einen bestimmten Zeitraum exklusiv nur auf einer Plattform zugänglich sind – experimentiert. Das Fazit: Die Exklusiv-Releases waren jeweils jene, die in der Zeit des "windowing" besonders stark über illegale Quellen bezogen wurden. 

Wo ist die Grenze?

Doch ist der Streaming-Markt ein heiß umkämpfter Markt, und in irgendeiner Form wird sich eine Differenzierung zwischen den einzelnen Anbietern entwickeln (müssen). Wie könnte diese also aussehen?

Aktuell scheint es, dass sich die Konkurrenz zwischen den Diensten auf der einen Seite im Non-Music-Angebot niederschlägt: Während beispielsweise Spotify ein Distro-Feature für Künstlerinnen und Künstler eingeführt hat und in Zukunft vermehrt Podcasts anbieten will, bietet Apple Music z.B. den exklusiven Musiksender Beats 1 sowie Musikvideos. 

Weiterhin scheint auch die Verfügbarkeit bzw. Qualität von "Discover"-Funktionen wie etwa individualisierte Artist-Empfehlungen oder automatisch generierte Playlists ein mögliches Differenzierungsmerkmal darzustellen. 

Harte Fakten

Auf der anderen Seite zeigt sich, dass der "Krieg" der Streamingdienste insbesondere auch im Hardware-Bereich ausgetragen wird: Erst kürzlich verklagte Spotify Apple wegen der angeblichen Benachteiligung anderer Streaming-Dienste im App-Store.

Amazon und Google wiederum führten zeitgleich eine kostenlose Version ihrer jeweiligen Streaming-Services für ihr Smart Speaker-Angebot – die Alexa-Serie von Amazon sowie den Google Home –  ein. So können die Unternehmen zumindest theoretisch von dem aktuell hohen Smart Speaker-Absatz profitieren, indem sie Kundinnen und Kunden den eigenen Streamingdienst schmackhaft machen. 

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